Fabio Barbosa: Banken können die Gesellschaft positiv verändern

Fabio Barbosa, Präsident von Santander in Brasilien

Fabio Barbosa, Präsident von Santander in Brasilien

// //

Die Autoren Roger Peverelli, Reggy de Feniks und Walter Capellmann haben über drei Jahre hinweg weltweit mit Vorständen von Banken und Versicherungsunternehmen über die Zukunft der Finanzdienstleistungen gesprochen. Die Mehrheit war überzeugt, dass sich die Branche dramatisch und irreversibel verändert hat. Aber wie geht es nun weiter? In einer 8-teiligen Serie veröffentlicht DAS INVESTMENT Online dazu Gastbeiträge und Interviews mit Spitzenmanagern führender Finanzinstitute und Branchenexperten.

Das Motto „Eine neue Bank für eine neue Gesellschaft“ kommt von Santander, einer der größten Banken in Brasilien. Von diesem Ausgangspunkt sieht die Bank Einlagen und Produkte als ein Mittel zur positiven Veränderung der Gesellschaft. Wegen dieses Ansatzes und hervorragender Bilanzergebnisse erhielt sie 2008 den Financial Times Sustainability Award.

Herr Barbosa, Sie sehen Ihre Einlagen und Produkte als ein Mittel, um die Gesellschaft positiv zu verändern. Wie muss man sich das im Alltagsgeschäft vorstellen?

Fabio Barbosa:
Unternehmen sind in der Lage, ihre große Präsenz und ihren Einfluss zur Bereitstellung von Lösungen zu verwenden, die gut für die Gesellschaft als Ganzes sind. Deswegen bieten wir neben der Möglichkeit, Kredit zu erhalten, unseren Kunden auch Beratung zum Thema Nachhaltigkeit an, um ihnen zu ermöglichen, auch aus dieser Perspektive ihre Unternehmen zu führen. Wann immer wir ein Unternehmen analysieren, erkennen wir Chancen, dessen soziale und ökologische Leistungsfähigkeit zu verbessern. Wir geben Rat und helfen oft bei der Umsetzung von Veränderungen.

Können Sie ein Beispiel nennen?

Barbosa: Wir haben Hunderte von Unternehmen beraten. Lassen Sie mich das Beispiel eines Unternehmens anführen, das im Bereich Wohnungsbau und Umweltconsulting tätig ist. Bei der Durchführung eines Bauprojekts für ein Bürogebäude in Rio de Janeiro hat unser Kunde Weiterbildungsprogramme aufgelegt und den Arbeitern Lesen und Schreiben beigebracht.

Darüber hinaus hat er unsere Mikrokreditprodukte in Anspruch genommen, um den um die Baustelle herum sich ansiedelnden Geschäften – Bars, kleine Läden und Werkstätten – die Möglichkeit zu geben, ihr Geschäft auf die bis zu 3000 Menschen umzustellen, die sich später in dem fertigen Gebäude aufhalten werden. Es handelt sich dabei um eine Art von Operation, die wir als »win-win-win« bezeichnen. Das Unternehmen erhielt Produkte und Dienstleistungen nach seinen Anforderungen, verbesserte damit sein Image und erhöhte seine Wettbewerbsstärke. Gleichzeitig hat das zu Vorteilen für die Gesellschaft und für die Umwelt geführt. Und wir konnten mehr Umsatz machen und die Beziehung zu unseren Kunden stärken.