Fachbeirat von Ökoworld Experten loben die Weltklimakonferenz von Paris

Das Schmelzen der Gletscher ist nur eine von den gravierenden Auswirkungen des Klimawandels. Foto: Getty Images

Das Schmelzen der Gletscher ist nur eine von den gravierenden Auswirkungen des Klimawandels. Foto: Getty Images

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Positives Signal: Besser unter 1,5 Grad

Aus Sicht der Experten war die Weltklimakonferenz in Paris ein Erfolg. Es ist als ein klares und positives Signal zu werten, dass die Staatengemeinschaft es geschafft hat, sich in Paris auf ein gemeinsames Klimaabkommen zu verständigen. So wurde das Ziel bestätigt, deutlich unter 2 Grad Celsius Erderwärmung zu bleiben, besser sogar unter 1,5 Grad. Auch dass bis Mitte der zweiten Hälfte des Jahrhunderts die Energieversorgung weltweit dekarbonisiert werden soll, ist ein wichtiger Schritt hin zur Erreichung der Klimaziele. Dekarbonisierung bedeutet (vereinfacht) den Verzicht auf fossile beziehungsweise erweitert auf alle kohlenstoffhaltigen Primärenergieträger. Die Länder sollen alle fünf Jahre neue Berichte zum Klimaschutz vorlegen und die Ergebnisse ihrer früheren Ziele überprüfen und darüber berichten. Die Frage ist nun – und das wird sich erst in den nächsten Jahren zeigen – ob vom Pariser Abkommen tatsächlich eine Signalwirkung ausgeht, die dazu führt, dass ernsthafte und ambitionierte Schritte unternommen werden, um die vereinbarten Ziele zu erreichen. Die Minderungsankündigungen, bezogen auf die CO2-Emissionen der einzelnen Länder, die bisher auf dem Tisch liegen, bleiben deutlich hinter den ambitionierten Bekenntnissen zur Dekarbonisierung zurück. Aktuell sind wir vom Erreichen des 2 Grad-Ziels weit entfernt. Ohne deutlich größere Anstrengungen als die derzeit vorliegenden CO2-Minderungsankündigungen ist eine Erderwärmung um 3 bis 4 Grad bis zum Ende des Jahrhunderts oder schon früher zu erwarten.

Aktuelle Klima-Zahlen
  • Die Erde hat sich bereits um ca. 1 Grad erwärmt.
  • Die Jahre 2014 und 2015 waren die wärmsten Jahre seit Beginn der Temperaturaufzeichnungen.
  • Die CO2-Konzentration in der Atmosphäre lag 2015 i. D. bei nahe 400 ppm (Parts per Million), rund 40 Prozent (120 ppm) höher als im Jahr 1800 und mehr als 50 ppm über dem von Experten als „sicher“ angenommenen Wert von 350 ppm, der 1988 (Gründung des Weltklimarates IPCC) im Übrigen bereits erreicht war.

Jahrhundertaufgabe Dekarbonisierung

Die Dekarbonisierung ist im wahrsten Sinne eine Jahrhundertaufgabe, die allerdings desto schneller „erledigt“ werden muss, je schneller der Anstieg der CO2-Konzentration in der Atmosphäre und die Erderwärmung fortschreiten. Langfristiges Ziel ist die klimaneutrale Versorgung mit Energie und kohlenstoffhaltigen Rohstoffen. Diese ist nur möglich, wenn Kohlenstoffkreisläufe geschlossen werden. Dekarbonisierung bedeutet nicht nur den Ausstieg aus der Kohle-, Öl- und Gasverstromung, sondern auch das Ende der Verbrennungsmotoren und des Heizens mit fossilen und, jedenfalls mittel- / langfristig, auch allen anderen kohlenstoffhaltigen Brennstoffen. Experten sind derzeit damit beschäftigt zu errechnen, was der Klimavertrag für Deutschland (als Vorreiter beim Klimaschutz) und nicht zuletzt für die Industrie, z. B. die Automobilindustrie, genauer bedeutet. Während bei der Stromerzeugung durch die Förderung der Erneuerbaren Energien der richtige Technologiepfad bereits beschritten wurde – trotz nach wie vor großer Herausforderungen bei der Umsetzung –, ist im Verkehrssektor der Nachholbedarf gewaltig. Die Ziele, die für diesen Sektor in den letzten Jahren festgelegt wurden, werden jedenfalls bis 2020 nicht erreicht.

Schwere Autos machen Effizienzgewinne zunichte


Der wesentliche Grund dafür ist, dass die Automobilindustrie zwar technisch effizientere Motoren entwickelt hat, die Fahrzeuge jedoch zugleich immer komfortabler und schwerer geworden sind, wodurch die Effizienzgewinne zunichte gemacht wurden. Hinzu kommt das grundsätzliche Festhalten am Verbrennungsmotor und am Vorrang der Individualmobilität durch Politik und Gesellschaft. Die Folgen: unzureichende Förderung öffentlicher Nahverkehrssysteme und des Schienenfernverkehrs, nur halbherzige Förderung der Elektromobilität. Neben weiteren Änderungen bei Technologiepfaden (beispielsweise im Verkehrssektor, siehe oben) ist eine wichtige Voraussetzung für die Dekarbonisierung das Ermöglichen von wirtschaftlichem Wachstum bei gleichbleibendem beziehungsweise bis auf weiteres sinkendem Energie- und Rohstoffverbrauch.