Fachtagung Finanzplaner Forum in Wien Experten über Chancen und Gefahren der Digitalisierung

Rund 80 Finanzplaner, überwiegend aus Österreich waren der Einladung des Finanzplaner Forums ins Wiener Hotel Bristol gefolgt. Foto: Oliver Lepold

Rund 80 Finanzplaner, überwiegend aus Österreich waren der Einladung des Finanzplaner Forums ins Wiener Hotel Bristol gefolgt. Foto: Oliver Lepold

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Rund 80 Finanzplaner trafen sich in Wien zu einer Fachtagung, die unter der Schirmherrschaft des österreichischen Verband Financial Planners stand. Ziel: Herauszufinden, wie man mit den unaufhaltsamen Trend der Digitalisierung in der Finanzdienstleistung umgeht und dabei gleichzeitig die eigene Dienstleistung optimiert. Die Organisatoren des Finanzplaner Forums, Otto Lucius und Guido Küsters, ließen dazu themenkundige Vermögensexperten aus Banken auf die Vertreter von erfolgreichen Fintechs auf dem deutschsprachigen Markt treffen, die aus ihrer Praxis berichteten.

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Andreas Dombret, Vorstand der deutschen Bundesbank, nannte zunächst die drei Triebkräfte, anhand derer die Digitalisierung die Spielregeln der Finanzdienstleistung nachhaltig verändert: Technologie, Konkurrenz und die Kunden („bisweilen fordernd“), welche die Digitalisierung aktiv mitgestalteten. „Die zentrale Frage ist die nach den Optionen, welche sich zum Übergang zum digitalen Zeitalter für die Banken bieten“, betonte Dombret. Seine Botschaften: keinesfalls die Herausforderung aussitzen, sondern sich aktiv mit dem Thema auseinandersetzen, neue Wege einschlagen und über den Tellerrand hinausblicken. Strategische Allianzen von Banken mit Fintechs sind ebenso eine Option wie der Aufbau eigener digitaler Services.

Aus Sicht eines Bankenaufsehers unterstrich Dombret die neuen Chancen für die Banken, ihre derzeitige Ertragsschwäche auszugleichen – mit sinnvoll eingesetzter neuer Informationstechnologie, Kosteneinsparungen und einem Risikomanagement, das von der Digitalisierung profitieren kann. Auch die Aufsicht werde sich im Übrigen der Herausforderung  stellen: „Die neuen, weitgehend unregulierten Wettbewerber wie zum Beispiel die Fintechs werden wir in den Blick nehmen – da können sie sicher sein“, sagte Dombret. Manche Fintechs hätten bereits (Teil-) Banklizenzen erworben.

Praxisnahe Berichte aus der Fintech-Welt

Besonders wertvoll für die Teilnehmer waren mehrere Erfahrungsberichte aus erster Hand, sowohl von Banken, die digitale Strategien umgesetzt haben, als auch von Fintechs, die ein Fazit über die Reaktion auf ihre Ideen am Markt zeichneten. Mit Vorträgen vertreten waren unter anderem die Netbanking-Plattform der Erste Bankengruppe „My George“, der Roboadvisor Vaamo und das Schweizer Finanzportal VZ.

Vaamo-Vorstand und Gründer Oliver Vins etwa nannte nach einem Jahr Livebetrieb seines Business-Modells fünf wesentliche Erkenntnisse. So sei Einfachheit das wichtigste Motiv vor Kostendruck und dem Investmentprodukt. Kunden liebten Sparziele und vertrauten ihrem Roboadvisor auch in volatilen Märkten. „Im Schnitt ist der Vaamo-Kunde männlich, 38 Jahre alt und hat bereits Erfahrungen in der Geldanlage“, sagte Vins. Ein zusätzlicher persönlicher Kontakt verbessere zudem die Kundenbeziehung erheblich und habe Einfluss auf die investierten Summen, die Sparrate sei dann doppelt so hoch.