Faktor Investing Wie sich Ineffizienzen im Anlegerportfolio vermeiden lassen

Dr. Bernhard Breloer, Quant Client Portfolio Manager bei Robeco

Dr. Bernhard Breloer, Quant Client Portfolio Manager bei Robeco

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Was treibt die Renditen von Aktien wirklich? Diese Frage sollte langfristige Anleger beschäftigen. Und die gute Nachricht lautet: Es gibt Aktieneigenschaften, die die Renditechancen nachweislich erhöhen. Anleger müssen diese Renditequellen nur erkennen und effizient für sich nutzen.

Forschung weist werttreibende Faktoren nach

Die akademische Forschung sucht seit vielen Jahren nach Antworten, die sie teils auch liefern konnte. So wurden in der Vergangenheit einige Faktoren nachgewiesen, die Renditeunterschiede von einzelnen Aktien oder Aktienportfolios gegenüber einer Benchmark erklären können. Letztendlich kristallisierten sich aber nur wenige Faktoren heraus, die nachweislich für eine nachhaltige Performance von Aktienportfolios sorgen können.

Anhand von Studien ist nachgewiesen, dass Aktien(portfolios) mit einer günstigen Bewertung (Value), einer kurzfristig relativ starken Kursentwicklung (Momentum) und generell niedrigerem Risiko (Low Volatility) langfristig höhere risikoadjustierte Renditen versprechen. Anleger können also systematisch Aktien nach diesen Werttreibern oder Faktoren auswählen. Dieses Vorgehen ist auch unter dem Begriff „Faktor Investing“ bekannt.
Bewusst, statt unbewusst: Auf die Kombination der Faktoren kommt es an Interessant ist, dass nur wenige Anleger die Faktorausprägungen ihrer eigenen Portfolios kennen. Ein Beispiel: Die Depots von klassischen Value-Anlegern sollten eine stärkere Ausprägung gegenüber dem Faktor Value zeigen. Dies lässt sich an Kennziffern wie einer erhöhten Dividendenrendite oder einem niedrigen Kurs-Gewinn-Verhältnis ablesen. Allerdings zeigen Untersuchungen (institutioneller) Portfolios, so genannte Factor-Screenings, dass solche Value-Depots häufig eine sehr negative Ausprägung gegenüber dem Faktor Momentum zeigen. Besser wäre es, beide Faktoren zu kombinieren. So können Anleger einerseits von unterbewerteten Unternehmen mit einer positiven Geschäftsentwicklung profitieren und besitzen andererseits einen „Puffer“, sollte einer der Faktoren kurzfristig schlechter abschneiden.

Dies hätte beispielsweise im Jahr 2015 Vorteile gehabt: Die Faktoren Momentum und Low Volatility konnten eine Outperformance generieren während sich der Faktor Value dramatisch schlechter entwickelt hat. Dies führte unweigerlich zu einer überproportional schlechteren Performance für reine Value Ansätze.

Portfoliooptimierung durch Aufspüren von Ineffizienzen

Kurzum: Wer sich über die Gewichte der einzelnen Faktoren in seinem Depot im Klaren ist, kann Ungleichgewichte korrigieren, um langfristig das Renditepotenzial zu erhöhen. In Fall des Value-Investors bedeutet dies, über die Berücksichtigung des Faktors Momentum diejenigen Value-Titel zu vermeiden, die eine sehr negative Momentum-Ausprägung haben. Auf diese Weise nutzen Investoren den Faktor Momentum quasi als Qualitätskriterium.

Eine ähnliche Funktionsweise ergibt sich für den Faktor Low Volatility. Robeco hat dies auch in eigenen Untersuchungen nachweisen können: Die Renditen für quantitative Value-Strategien fielen höher aus, wenn Momentum- und Low Volatility-Faktoren hinzugezogen wurden.

Forschungsergebnisse fließen in den Portfolioaufbau ein

Aufbauend auf den langjährigen Studien- und Screening-Ergebnissen entwickeln Asset Manager ihre Produkte weiter. So hat Robeco sogenannte Faktorfonds entwickelt, bei denen die einzelnen Faktoren nicht gegeneinander arbeiten.

Ein Beispiel: Im Rahmen der Robeco Low Volatility-Strategien (Conservative-Fonds) werden maßgeblich risikoärmere Aktien ausgewählt anhand von Low-Risk-Faktoren wie Volatilität, Beta oder Ausfallrisikomaß. Dabei hat der Fondsmanager das Ziel, marktähnliche Renditen bei deutlich reduziertem Risiko zu erwirtschaften. Gleichzeitig zieht er aber auch Value- und Momentum-Signale bei der Aktienselektion hinzu. Dadurch vermeidet der Portfoliomanager, (zu) teure Low Volatility-Aktien zu kaufen, die eine schlechte relative Kursentwicklung zeigen.

Für die Existenz dieser Faktoren spricht auch, dass dieses Vorgehen unabhängig vom jeweiligen Aktienmarkt funktioniert, sei es in den Schwellenländern, Europa, den USA oder auch in weltweit anlegenden Aktien-Strategien.