Falsche Angst, böser Brief So wurde das Angstbarometer Vix angeblich manipuliert

Für den Volatilitätsindex Vix verantwortliche Händler an der Optionsbörse Cboe am 6. Februar 2018: Im Februar brachen die US-Börsen ein und ließen den Vix explodieren. | © Getty Images

Für den Volatilitätsindex Vix verantwortliche Händler an der Optionsbörse Cboe am 6. Februar 2018: Im Februar brachen die US-Börsen ein und ließen den Vix explodieren. Foto: Getty Images

Eigentlich soll der CBOE Volatility Index (Vix) anzeigen, mit welchen Kursschwankungen Marktteilnehmer rechnen. Und zwar beim US-amerikanischen Leitindex S&P 500 für die kommenden 30 Tage. Doch nun ist der Verdacht entstanden, dass der Vix seine Arbeit nicht so präzise und fair erledigt, wie er sollte.

Der Washingtoner Jurist Jason Zuckerman behauptet in einem Brief an die Börsenaufsicht, dass der Vix manipuliert sei. Dabei beruft er sich auf seinen Klienten, einen Insider mit „hochrangigen Positionen in einigen der größten Investmentfirmen der Welt“. In dem Brief heißt es: „Die Marktmanipulation führte zu Gewinnen in Milliardenhöhe, die unmoralische elektronische Market Maker institutionellen und privaten Anlegern wegnahmen und einkassierten.“ Das Schreiben ging an die Börsenaufsicht SEC und die Commodity Futures Trading Commission, die die Options- und Futures-Märkte in den USA überwacht, mit der Aufforderung zu ermitteln und zu handeln.

Nicht die echte Vola zählt, sondern die erwartete

Um die Manipulationstechnik zu verstehen, muss man zunächst wissen, wie der Vix entsteht. Der Preis für eine Option, also ein Termingeschäft, richtet sich immer zu einem großen Teil danach, wie stark der zugrunde gelegte Wert während der Laufzeit voraussichtlich schwankt. Rechnet der Optionshändler mit starken Kursschwankungen (Volatilität), steigt der Preis für die Option und umgekehrt. Diese in Optionen eingepreiste Volatilität heißt auch „implizite Volatilität“.

In den Vix fließt die implizite Volatilität für Optionen auf den S&P 500 für die kommenden 30 Tage ein. Er zeigt also, mit welchen Turbulenzen Marktteilnehmer in naher Zukunft rechnen – oder eben nicht rechnen. Verantwortlich ist die Optionsbörse Cboe in Chicago.

In seinem Schreiben behauptet Zuckerman, dass Optionshändler über spezielle Algorithmen Preise für Optionen auf den S&P 500 stellten, ohne dass die Optionen jemals gehandelt wurden. Einfach nur durch Angebot und Nachfrage. Damit konnten sie die implizite Vola in bestimmte Richtungen lenken. Übrigens stellten Forscher angeblich schon vor fast einem Jahr fest, dass sich Vix-relevante Optionen gern mal auffällig verhalten.