Falsche Witwe Frau zeigt sich wegen 30 Jahren Rentenversicherungsbetrugs an

Ein schlechtes Gewissen kann dem, der es empfindet, schlaflose Nächte bereiten und Lebensfreude rauben. So muss es einer 65-Jährige Frau aus Neu Ulm ergangen sein. Nach 30 Jahren zu Unrecht kassierter Witwenrente wagte die Mutter zweier Kinder einen mutigen Schritt: Sie zeigte sich selbst bei den Behörden an. Über den ungewöhnlichen Fall berichtet die Tageszeitung Augsburger Allgemeine.

Die Frau sei 1988 von Lettland nach Deutschland ausgewandert. Als alleinerziehende Mutter habe sie Unterstützung vom deutschen Staat beantragt und dabei angegeben, mit dem verstorbenen Vater ihrer Kinder in Lettland verheiratet gewesen zu sein. Eine Notlüge: Da in Lettland Witwen- und Waisenrente nicht getrennt voneinander betrachtet würden, habe die Frau gefürchtet, andernfalls keine Rentenansprüche geltend machen zu können. Trotz fehlender Heiratsurkunde sei die Notlüge nicht aufgeflogen. 170.000 Euro Witwenrente habe die 65-Jährige bis heute unrechtmäßig kassiert, schildert die Augsburger Allgemeine den Hergang des Falls.

Das schlechte Gewissen habe schließlich gesiegt und die Frau Selbstanzeige erstatten lassen. Obwohl das Gericht die Selbstanzeige positiv anrechnete, sah es einen Betrug von besonders hohem Ausmaß gegeben. Neben einer elfmonatigen Bewährungsstrafe soll die unrechtmäßige Witwe den Schaden nun zurückzahlen: 13.000 Euro seien bereits beglichen. Weitere 12.000 sollen Ende dieses Jahres folgen. Darüber hinaus habe die Frau ein Dauerauftrag über 200 Euro monatlich zur Rückzahlung der unrechtmäßig kassierten Rente eingerichtet, berichtet die Augsburger Allgemeine.