Fidelity Anleihen-Manager: "Schwellenländeranleihen profitieren von Währungsschwankungen"

Andrew Wells, Andy Weir und Bryan Collins (v.li.)

Andrew Wells, Andy Weir und Bryan Collins (v.li.)

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Anleihen global

Andrew Wells, globaler Investmentchef für Anleihen bei Fidelity:


"Auch im kommenden Jahr dürften wir stark schwankende Finanzmärkte sehen. Das macht Anleihen weiter attraktiv. Zwar befürchten einige Anleger aufgrund der hohen Zuflüsse in den Anleihenmarkt eine Blasenbildung. Ich denke aber, dass sich das weltweite Wirtschaftswachstum erst deutlich erholen und die Zinsen entsprechend steigen müssten, um die Aussichten für Anleihen zu trüben. Es ist jedoch unwahrscheinlich, dass dieses Szenario bald eintritt - für 2013 erwarte ich es nicht.

Staatsanleihen der als sicher geltenden westlichen Industrienationen sind aktuell relativ teuer. Dies könnte aufgrund der unsicheren Markt- und Wirtschaftsentwicklung sowie der großen Nachfrage bei abnehmendem Angebot auch noch eine Weile so bleiben. Wenn sich die wirtschaftliche Entwicklung jedoch nachhaltig erholt, werden Staatsanleihen unter Druck geraten. Daher sollten Anleger auf Laufzeiten achten und Anleihen mit eher kürzerer Duration wählen.

Hochwertige Unternehmensanleihen profitieren weiter davon, dass die Firmenbilanzen insgesamt solide sind. Allerdings besteht die Gefahr, dass einige Unternehmen die Chance nutzen, in der aktuellen Situation günstig Fremdkapital aufzunehmen, beispielsweise für Aktienrückkäufe oder Übernahmen. Das könnte ihre Kreditratings belasten. Eine sorgfältige Auswahl der Titel ist daher besonders wichtig.

Anleger, die auf Hochzinsanleihen setzen, sollten sich eher auf qualitativ hochwertige Unternehmen in diesem Segment mit höherem Rating konzentrieren. Dabei muss man bei den Aussichten für 2013 realistisch sein: Die ungewöhnlich hohen Gewinne der letzten Jahre lassen sich nicht wiederholen. Renditen im hohen einstelligen Prozentbereich sind jedoch weiter möglich.

Schwellenländeranleihen profitieren von Währungsschwankungen und Wechselkursgewinnen. Die nächste Rally findet daher womöglich nicht bei Schwellenländeranleihen in Leitwährungen wie US-Dollar statt, sondern bei Unternehmensanleihen in der jeweiligen Landeswährung. Gegen Ende des kommenden Jahres sollten Anleger die Inflationsgefahr in den westlichen Industrienationen auf der Agenda haben.

Daher werden inflationsindexierte Anleihen interessant. Da diese Anleiheform sich in der Regel im Umfeld eines soliden Wirtschaftswachstums besser entwickelt, sind vor allem inflationsindexierte Anleihen aus Schwellenländern eine gute Strategie, insbesondere wenn das globale Wirtschaftswachstum wieder anzieht."

Andy Weir, Fondsmanager des Fidelity Global Strategic Bond Fund und des Fidelity Global Inflation-Linked Bond Fund:

"2013 dürften die verschiedenen Anleiheklassen wohl kaum die spektakuläre Wertentwicklung der vergangenen Jahre wiederholen. Infolge der Senkung der kurzfristigen Zinsen sind die Renditen auf breiter Front gesunken. Die US-Notenbank Fed will die Zinsen wohl für mindestens zwei Jahre auf diesem Niveau halten. Innerhalb der Anlageklasse Anleihen werden Unternehmensanleihen voraussichtlich besser abschneiden als Staatsanleihen.