Fidelity-Fondsmanager „Einige Unternehmensanleihen erscheinen überbewertet“

Ian Spreadbury: Der Mathematiker verantwortet bei Fidelity International unter anderem den Rentenfonds Flexible Bond Fund. Zudem ist er Co-Manager der Fidelity-Fonds MoneyBuilder Balanced und Global High Yield. | © Fidelity International

Ian Spreadbury: Der Mathematiker verantwortet bei Fidelity International unter anderem den Rentenfonds Flexible Bond Fund. Zudem ist er Co-Manager der Fidelity-Fonds MoneyBuilder Balanced und Global High Yield. Foto: Fidelity International

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Wie schätzen Sie den Ausblick für globale Anleihen 2018 ein?

Ian Spreadbury: Ich gehe auch künftig von langsamem Wachstum und niedriger Inflation aus. Zudem dürften die zentralen, die Weltwirtschaft bremsenden strukturellen Faktoren auch weiterhin Bestand haben.

So ist weltweit ist das Verhältnis von Verschuldung zu Bruttoinlandsprodukt höher als je zuvor. Und diese Schulden müssen bedient, zurückgezahlt und refinanziert werden. Daher reagiert die Wirtschaft empfindlich auf Zinsänderungen.

Mit Blick auf den demografischen Wandel sieht man, der Anteil der Menschen, die aus der Erwerbsbevölkerung ausscheiden und in den Ruhestand gehen, unaufhaltsam wächst. Das wirkt sich ungünstig auf die Gesamtzahl geleisteter Arbeitsstunden aus.

Von Verschuldung und demografischem Wandel geht auch künftig Gegenwind für Wachstum und Inflation aus. Daher werden die Anleiherenditen wohl niedrig bleiben und die Staatsanleiherenditen in ihrer aktuellen Bandbreite verharren.

Unternehmensanleihen haben sich 2017 sehr gut entwickelt und werden ihren Aufwärtstrend womöglich 2018 fortsetzen. In einigen Bereichen dieser Anlageklasse erscheinen die Bewertungen jedoch überzogen. Das gilt insbesondere für das Hochzinssegment.

Was könnte Anleger 2018 am meisten überraschen?

In der Politik könnte es einige Überraschungen geben. 2018 wird in Italien gewählt. Ich halte es jedoch für unwahrscheinlich, dass die Fünf-Sterne-Bewegung, wie von den Märkten befürchtet, an die Regierung kommt.

Die politische Lage in Großbritannien ist zweifellos äußerst fragil. Ich gehe nicht davon aus, dass die Labour-Partei die Tories aus der Regierung drängen könnte. Sollte dieser Fall jedoch eintreten, wäre das auf kurze bis mittlere Sicht schlecht für die Märkte und sicher auch für britische Staatsanleihen.

Wie identifizieren Sie die besten Chancen für Ihre Anleger?

Im aktuellen Umfeld mit extrem niedrigen Renditen auch bei Unternehmensanleihen ist jetzt nicht der richtige Zeitpunkt, Renditen nachzujagen. Ich würde stattdessen dringend raten, die Titelauswahl in den Mittelpunkt zu rücken.

Die Kreditqualität lässt langsam nach. Daher muss über eine sorgfältige Titelanalyse sichergestellt werden, dass sich die richtigen Unternehmen mit den besten Risiko-Ertragsprofilen in den Portfolios wiederfinden.

Da die Renditen von Staatsanleihen auf historische Tiefstände gesunken sind, ist es mit Blick auf das Zinsrisiko vernünftig, das Durationsrisiko allgemein etwas niedriger zu halten.