Fidelity-Manager Nick Price über Schwellenländeraktien „Über den Anlageerfolg in den Emerging Markets entscheidet auch, wo Sie nicht investiert sind“

Nick Price

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DER FONDS: Werden die Schwellenländer die Industriestaaten 2015 outperformen?

Nick Price: Es ist sehr schwer, eine kurzfristige Outperformance zu prognostizieren. Wer weiß schon, was 2015 aus makropolitischer Perspektive passieren wird. Wir schauen lieber nicht auf die Anlageklasse an sich, sondern auf einzelne Unternehmen. Unser Fonds enthält nur Aktien mit nachhaltigen Renditen und vernünftigen Bewertungen.

Crashtest: Die besten Schwellenländer-Aktienfonds

  Fonds Punkte
Gesamt
Pkt.
Perfor-
mance
Pkt.
Stress-
test
Pkt.
Rating
Vol. in
Mio. €
1 First State Global Emerging Markets Sustainability Fund 202 70 82 50 299
2 RAM Systematic Emerging Markets Equities 185 62 73 50 1862
3 First State Global Emerging Markets Leaders Fund 185 75 30 80 3302
4 First State Global Emerging Markets Fund A Acc 184 54 60 70 969
5 Fidelity Funds Emerging Markets Fund 182 63 39 80 3490
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Sortierkriterium: Punkte Gesamt, Quelle: Testverfahren DER FONDS, Berechnung und Daten: FWW Fundservices GmbH (Stichtag: 17. Februar 2015), Wertentwicklung auf Euro-Basis
Quelle: Sortierkriterium: Punkte Gesamt, Quelle: Testverfahren DER FONDS, Berechnung und Daten: FWW Fundservices GmbH (Stichtag: 17. Februar 2015), Wertentwicklung auf Euro-Basis


Wie sieht es denn generell mit den Bewertungen in den Emerging Markets aus?

Das ist tatsächlich der eine große Bereich, der zurzeit Unterstützung für Schwellenländeraktien allgemein bietet. Emerging Markets bieten eine Fülle von Möglichkeiten dank der unterschiedlichen Situationen in den einzelnen Ländern. Ein selektiver Ansatz ist wahrscheinlich die beste Strategie. Dabei ist es nicht nur wichtig, in was man investiert, sondern auch, in was man nicht investiert.

Wie sieht es mit China aus? Investieren oder nicht?

China erlebt strukturelle Veränderungen, die man im Auge haben muss, vor allem die Veränderungen, die mit der Neuausrichtung der Wirtschaft verbunden sind. Die Verlagerung weg von Investitionen hin zu mehr Binnenkonsum wirkt sich insbesondere negativ auf die Bereiche aus, die in der Vergangenheit übermäßig Kapital angezogen haben. Dazu gehören zum Beispiel Immobilienentwicklungen, aber auch die Banken, die das Kapital für die Überbauung zur Verfügung gestellt haben und nun einen Anstieg der faulen Kredite in ihren Bilanzen verkraften müssen. Das gilt vor allem, wenn die Fundamentaldaten solcher Sektoren so schwach bleiben wie in den vergangenen Quartalen.

Sehen Sie auch Chancen in China?


China ist ein gutes Beispiel für einen Markt, in dem ein selektiver Bottom-up-Ansatz hilfreich ist. Wir sind zuversichtlicher für Anlagemöglichkeiten, die durch den Binnenkonsum angetrieben werden. Die Reform-Agenda, die zunehmende Kaufkraft der Bevölkerung und der chinesische Unternehmergeist wirken hier unterstützend. Es wird viel Tamtam darum gemacht, ob die chinesische Wirtschaft um 7,3 oder 7,5 Prozent wächst. Entscheidend ist jedoch, dass wir in Zukunft eher ein niedrigeres nachhaltiges Wachstum sehen als nochmal ein höheres kreditgetriebenes Wachstum, das eine Normalisierung viel schwerer verkraften würde. Darüber hinaus sind die schwächeren Bereiche der Wirtschaft wohlbekannt, und die Bewertungen von chinesischen Aktien sind relativ niedrig.

Welchen Einfluss hat die Fed-Politik auf die Börsen der Emerging Markets?


Potenzielle Risiken einer geldpolitischen Straffung sind allen bewusst. Es ist jedoch vor dem Hintergrund der hohen Verschuldung fraglich, wie stark die Zinsen in den USA steigen können. Außerdem würden die Zinsen nur steigen, wenn die Wirtschaft Fahrt aufnimmt. Das würde sich wiederum positiv auf das Exportgeschäft der Emerging Markets auswirken. Weniger vorteilhaft wäre es für die schwächeren Schwellenländer, die weiter auf die externe Finanzierung ihrer Haushaltsdefizite bauen. Die Welt der Schwellenländer ist heute viel gesünder, als es die Schlagzeilen über mögliche Währungskrisen im Falle einer US-Zinserhöhung vermuten lassen. Zwar ist die in US-Dollar denominierte Unternehmensverschuldung gestiegen, sie liegt aber noch unter 10 Prozent des BIP. Diese Entwicklung zeigt jedoch, wie wichtig es für Aktieninvestoren in den Emerging Markets ist, das Schuldenprofil der einzelnen Unternehmen genau zu analysieren und zu verstehen.

Welche Sektoren bevorzugen Sie zurzeit?

Wir mögen weiter Unternehmen, die vom strukturellen Konsumwachstum in vielen Emerging Markets profitieren. Den Verbrauchern in den Schwellenländern kommen in naher Zukunft steigende verfügbare Einkommen und eine bessere Infrastruktur, auch in der Kommunikation, zugute. Sie profitieren zudem von sinkenden Inflationsraten und müssen weniger für Nahrung und Benzin ausgeben. So haben sie mehr Geld für andere Konsumgüter übrig. Daneben mögen wir einige Bereiche im IT-Sektor – vor allem Aktien, die von der raschen Aufnahme der Smartphone-Technologie in weniger entwickelten Märkten profitieren.

Und welche Länder stehen bei Ihnen ganz oben?


Indien werden die Wirtschaftsreformen der neuen Regierung gut tun. Im Fonds halten wir wichtige Positionen in qualitativ hochwertigen Unternehmen. Ein Beispiel ist die HDFC Bank, die eine starke Erfolgsbilanz und ein attraktives Renditeprofil aufweist.

Wo sehen Sie Probleme?


Wir meiden Branchen, in denen eine schwache Nachfrage oder Überkapazitäten das Preisumfeld und mögliche Gewinne belasten. Auch in Märkten wie Brasilien, wo eine schwache Haushaltslage und fehlender Reformeifer auf schwächere Rohstoffexportpreise treffen, investieren wir nur eingeschränkt. Und wie gesagt: Über den Anlageerfolg in Emerging Markets entscheidet heute auch, wo Sie nicht investiert sind.