Fidelity-Vertriebschef „Ein modernes Rentenportfolio ist global ausgerichtet“

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DAS INVESTMENT.com:  In welchen Anleihesegmenten sehen Sie aktuell eindeutige Anzeichen einer Blase? Oder anders: Von welchen Segmenten sollten sich Investoren aufgrund eines signifikanten Rückschlagspotenzials auf absehbare Zeit fernhalten?

Claude Hellers: Der jahrzehnte alte Trend immer weiter fallender Zinsen scheint sich in der Tat seinem Ende zu nähern. Die Renditen vieler europäischer Staatsanleihen sind bereits negative, und es ist schwer zu argumentieren, dass sich die Richtung der Bewegung langfristig fortsetzen kann. Stehen wir also vor einer Trendumkehr und Periode nachhaltig steigender Zinsen?

Die Argumente für ein solches Szenario sind ähnlich schwach. Vielmehr befinden sich die Märkte in einem Umfeld strukturell niedriger Zinsen. Was bedeutet das? Wirtschaftswachstum und Inflation bleiben auf absehbare Zeit auf niedrigem Niveau. Der Phase fallender Zinsen schließt sich unseres Erachtens eine länger anhaltende Seitwärtsbewegung an. Es fehlen schlicht die Impluse für eine nachhaltige Zinswende. Natürlich sind gelegentliche Rückschlägen an den Rentenmärkten nicht auszuschließen. Dass diese aber signifikant und nachhaltig ausfallen, ist eher unwahrscheinlich.

Als Auslöser für einen möglichen Kursrutsch am Rentenmarkt gilt die Angst vieler Bond-Anleger vor einer baldigen Zinserhöhung durch die US-Notenbank Federal Reserve. Wann rechnen Sie mit einer Fortsetzung der Zinswende in den USA? Und welche Effekte erwarten Sie dadurch auf die Treasuries der Vereinigten Staaten sowie den weltweiten Anleihemarkt?

Eine Zinserhöhung in den USA gegen Ende des Jahres ist sehr wahrscheinlich. Die US-Notenbank hat einen möglichen Zinsschritt im Dezember schon mehrfach angedeutet. Diese Information wird also in den gegenwärtigen Anleihepreisen bereits reflektiert.  Hinzu kommt, dass die Federal Reserve die Zinsen nur sehr, sehr langsam anhebt. Einen weiteren Zinsschritt erwarten wir beispielsweise nicht vor Mitte oder Ende 2017. Vor diesem Hintergrund sind negative Auswirkungen der US Zinspolitik auf die globalen Rentenmärkte derzeit kaum zu erwarten. Hierbei ist anzumerken, dass sich eine Zinserhöhung nur auf das kurze Ende der Zinskurve auswirkt. Die Rendite für zehnjährige US Staatsanleihen ist seit der ersten Erhöhung im letzten Jahr deutlich gesunken. Diese sogenannte Verflachung der Zinskurve deutet in der Regel auf ein sich abschwächendes Wirtschaftswachstum hin. Die Federal Reserve ist sich dessen sehr wohl bewusst, was ihre vorsichtige und zögerliche Herangehensweise erklärt.