Karriere-Chancen Warum die Digitalisierung auch neue Finanz-Jobs bringt

Seit der Einführung von Geldautomaten verbringen Bankangestellte mehr Arbeitszeit mit Kundenservice und Vertrieb. | © Getty Images

Seit der Einführung von Geldautomaten verbringen Bankangestellte mehr Arbeitszeit mit Kundenservice und Vertrieb. Foto: Getty Images

Ano Kuhanathan, Diplom-Ökonom bei der Fondsgesellschaft Axa IM

Die Automatisierung kurbelt das Produktivitätswachstum an. Das wiederum kann sich positiv auf andere Bereiche auswirken und dort Arbeitsplätze schaffen. Vor allem hochqualifizierte Tätigkeiten, für die Soft Skills wichtig sind, könnten von dieser Entwicklung profitieren. Berufe, die zwischenmenschliche Interaktion oder einen flexiblen Umgang mit neuen Situationen erfordern, werden auch in Zukunft benötigt.

Neben Tätigkeiten im Service-Sektor, den so genannten Pink Collar Jobs, zählen hierzu Aufgaben in der Entwicklung, der Technik und der Überwachung von Technologien – beispielsweise erfordern Roboter Menschen, die sie programmieren. Hingegen werden Berufe, die vor allem mit Routinetätigkeiten verbunden sind, wie die des Fabrikarbeiters oder Telefonverkäufers, schrittweise an Bedeutung verlieren.

Das erhöht den Wert von Bildung und das Ausmaß der Spezialisierung auf dem Arbeitsmarkt: Die digitale Ära macht Bildung offener, zugänglicher und erschwinglicher. Software schneidet Kurse auf Studenten zu, indem sie die Übungen an das Individuum anpasst und jedem ermöglicht, in seinem eigenen Tempo zu arbeiten. Der Praxisbezug, also die Anknüpfung des Gelernten an den Arbeitsmarkt, gewinnt dabei weiter an Bedeutung.

Die Arbeit von Morgen

Die Arbeit selbst wird sich voraussichtlich im Zuge der Digitalisierung ändern. Die steigende Qualität von Kommunikationstechnologien, die Entstehung von Cloud-Computing und Remote Sensor Technologies ermöglichen Menschen, von überall auf der Welt zu arbeiten. Die Arbeitsstelle von morgen besteht aus vielen Aufgaben, die unterschiedlich komplex seien und oft verschiedene Fähigkeiten erforderten.

Unternehmen werden also dazu gezwungen sein, die Aktivitäten, die einen Job ausmachen, zu analysieren und zu entscheiden, ob es sinnvoll ist, die Arbeit zu automatisieren. In den meisten Fällen werden die Stellen nicht komplett wegfallen. Stattdessen wird der Aufgabenschwerpunkt verlagert werden. Das hat man in der Vergangenheit beispielhaft bei Bankangestellten beobachten können, deren Arbeit seit der Einführung des Geldautomaten weniger von Routineaufgaben, sondern mehr von Kundenservice und Vertrieb geprägt ist.

Produktivitätswachstum

Automatisierung und künstliche Intelligenz tragen laut einer Studie von McKinsey entscheidend zum Wachstum des Bruttoinlandsprodukts bei: „Die Dampfmaschine hat die Produktivität zwischen 1850 bis 1910 um 0,3 Prozent erhöht. Bei der IT waren es zwischen 1995 und 2007 0,6 Prozent. Automatisierung und künstliche Intelligenz könnten hingegen zwischen 0,8 und 1,4 Prozent Produktivitätswachstum pro Jahr schaffen. Arbeiter benötigen folglich weniger Arbeitsstunden und können mehr konsumieren.

Die Automatisierung ist ein langwieriger Prozess, der schrittweise verläuft. Auf lange Sicht gesehen werden technologische Entwicklungen wie digitale Ökonomie, Robotertechnik und künstliche Intelligenz den Arbeitsmarkt umstellen. Ich bin jedoch überzeugt, dass die neuen Berufe sich besser an die Bedürfnisse von Menschen anpassen und die Wirtschaft von Routinetätigkeiten befreien werden.