Finanzberatung für Profi-Kicker: „Spielerberater sind überfordert“

Matthias Uelschen

Matthias Uelschen

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DAS INVESTMENT.com: Nicht wenige Fußballer landen nach ihrer Karriere im finanziellen Abseits. Warum tun sich Profi-Fußballer so schwer mit Gelddingen? Matthias Uelschen: Das betrifft nicht nur Fußballer, sondern auch Künstler, Schauspieler und Co. Die besten Beispiele des normalen Lebens sind Zahnärzte. Alle diese genannten Berufsgruppen sind wie die Fußballprofis - hochbezahlte Spezialisten in einem Bereich, der ziemlich wenig mit Zahlen zu tun hat. Um es zugespitzt zu sagen: Da verbrennt man eben gern mal 100.000 Euro eigenes Geld, um 50.000 Euro Steuererstattung vom Finanzamt zu ergattern. DAS INVESTMENT.com: Was tun die Fußballclubs, um Ihre Spieler in Finanzdingen zu beraten? Uelschen: Eigentlich nichts – Ausnahmen wie der FC Bayern München bestätigen die Regel. Grundsätzlich wird das Thema Finanzplanung dem Kompetenzfeld des Spielerberaters zugerechnet, der jedoch auch nur selten entsprechendes Know-how mitbringt. Und wenn er sich externer Berater bedient, dann kann er auch nur hoffen, dass es gut läuft, denn: die Erstellung einer maßgeschneiderten Finanzplanung können die wenigsten. Selbst die großen Banken tun sich da mehr als schwer. Zusammen mit einem meiner Profis bereiten wir gerade die Klage gegen eine deutsche Bank vor, die dort wegen wirklich schlechter Beratung massive Verluste zu verantworten hat. DAS INVESTMENT.com: Welche Absicherung ist für Profi-Kicker essenziell? Uelschen: Unerlässlich ist eine Berufsunfähigkeitsversicherung, kurz BU, für den Fall der Invalidität. Wie schnell heilt ein Kreuzbandriss nicht mehr aus oder ein böses Foul sorgt für das Karriereende. Spezialversicherer bieten entsprechende Policen an mit BU-Renten oder hohen Einmalleistungen im Falle der BU - bei Bedarf bis zu einer Million Euro oder mehr. Natürlich kosten diese Policen ein Vielfaches von dem, was der Normalbürger für seine BU-Versicherung bezahlen muss. DAS INVESTMENT.com: Verdienstmöglichkeiten und das Anforderungsprofil für Vermögensanlagen der Profifußballer unterscheiden sich erheblich von einem normalen Arbeitnehmer. Inwieweit können Sie auf die gängigen Finanzprodukte zurückgreifen? Uelschen: Geld, Zeit und Rendite sind die drei Erfolgsparameter der Vermögensbildung. Bei Profifußballer ist der Faktor Zeit sehr kurz, die Karriere umspannt in der Regel 10 bis 15 Jahre, dafür ist aber der Faktor Geld, also Gehalt, auch deutlich höher. Deshalb ist es wichtig, dass es keine Ausfälle bei der Geldanlage gibt. Insofern fallen alle Anlagebausteine mit Risiko heraus. Des Weiteren sind steueroptimale Bausteine wegen der hohen Progression wichtig. Ich arbeite bei meinen Profis gern mit Vorzugskapital. Das verbindet beste Sicherheit mit einer Nachsteuerrendite von 5 bis 6 Prozent pro Jahr.