Finanzexperten zum Amtsantritt von Donald Trump Christoph Bruns: „Radikale Maßnahmen von Donald Trump? Noch dürfen wir gelassen sein“

Loys-Gründer und Fondsmanager Christoph Bruns (rechts) gibt im Interview einen Ausblick auf die Ära Trump | © Getty Images

Loys-Gründer und Fondsmanager Christoph Bruns (rechts) gibt im Interview einen Ausblick auf die Ära Trump Foto: Getty Images

DAS INVESTMENT.com: Direkt nach Donald Trumps Wahlsieg nahmen viele Beobachter an, dass der künftige US-Präsident viele seiner im Wahlkampf verkündeten Maßnahmen wieder begraben würde. Jetzt scheint es, dass er auch an seinen besonders radikalen Ankündigungen festhält. Wird Trump seine Vorhaben umsetzen können?

Christoph Bruns: Donald Trump wird bald feststellen, dass es ein großer Unterschied ist, im Amt zu sein oder nicht. Noch dürfen wir gelassen sein.

Würden Sie seine Ansagen dann nicht ernst nehmen?

Bruns: Trump wird vermutlich innenpolitisch mehr gelingen als außenpolitisch: Zurückdrehen der Gesundheitsreform, Steuersenkungen, Deregulierung im Finanzbereich – da mag er ein stärkeres Mandat haben. Außenpolitisch hat Trump Vorstellungen, die nicht in die Welt passen. Mal will er keine Nato haben. Das wollen weder die Amerikaner, noch hat er das durchdacht. Er würde auf erhebliche Widerstände stoßen. Dann bekennt er sich zum Freihandel, will ihn aber abschaffen. Das ist voll von Widersprüchen. Ich bin zuversichtlich: Die Amerikaner haben in 270 Jahren Demokratie eine funktionierende Gewaltenteilung geschaffen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Präsident da durchregieren kann.

Einige seiner Aussagen, wie etwa die Ankündigung, die Einfuhrzölle hochzusetzen, zeitigen schon Reaktionen. Zum Beispiel bei Ford: Der Autobauer hat wie einige andere Unternehmen auch angekündigt, für Mexiko geplante Produktionen in die USA verlagern zu wollen.

Bruns: Wir haben ja das schöne Wort des vorauseilenden Gehorsams. Aber die ökonomische Welt ist komplizierter. Es gibt Warenströme. Und Ford hat nicht nur ein einziges Werk in Mexiko.

Der Glaube, man könne alle Produzenten zwingen, wieder in den USA zu produzieren, ist ökonomischer Unsinn. Ein Beispiel: Apple produziert seine Iphones unter anderem bei Foxconn in China. Ein Arbeiter bekommt dort pro Monat vielleicht 400 Dollar. Wenn Apple gezwungen wird, in den USA zu produzieren, müssten Kunden ein Vielfaches für ein Iphone zahlen, vielleicht 5.000 Dollar. Das ergäbe starke Inflation und Zinsen, die schnell auf 10 bis 15 Prozent steigen. Wenn man Zölle zu stark heraufsetzt, werden die Waren den Amerikanern auch zu teuer. Das wollen sie nicht und Trump am allerwenigsten.

Man soll außerdem nicht so tun, als drehe sich alles um die US-Amerikaner und die betroffenen Länder hätten keine Möglichkeit zu reagieren. Mexiko hat 100 Millionen Einwohner und ist ein stark wachsendes Land. Der Markt ist auch für die USA wichtig: Coca-Cola, Kellogg`s  und auch Ford wollen dahin verkaufen.