Finanzexperten zum Amtsantritt von Donald Trump Folker Hellmeyer: „Ich rate momentan zu einer hohen Aktienpositionierung“

US-Präsident Donald Trump (Foto: Getty Images, l.) und Folker Hellmeyer, Chefanalyst der Bremer Landesbank

US-Präsident Donald Trump (Foto: Getty Images, l.) und Folker Hellmeyer, Chefanalyst der Bremer Landesbank

DAS INVESTMENT.com: Möglicherweise hat Donald Trump hier schon Wirkung gezeigt: Die US-Notenbank Fed hat im Dezember die Leitzinsen erhöht und für 2017 drei weitere Anhebungen angekündigt. Steigen die US-Zinsen jetzt schnell an?

Folker Hellmeyer: Ich erwarte 2017 maximal zwei Zinsschritte, wahrscheinlich wird es sogar nur einer sein. Die US-Wirtschaft hat sich 2016 viel schwächer entwickelt als der Markt erwartet hatte. Statt 3 Prozent waren es nach der aktuellen IWF-Prognose nur 1,6 Prozent Wachstum. Diese Schwäche ist Ausdruck struktureller Probleme. Die öffentliche Neuverschuldung in den USA ist laut Angaben des Wirtschaftsministeriums im vergangenen Jahr um etwa 5,5 Prozent gestiegen.

Entscheidend ist aber: In den USA hat sich die Konsumverschuldung seit der Lehman-Pleite nominal um etwa 40 Prozent erhöht. Die mittleren Löhne sind im gleichen Zeitraum nur um etwa 15 Prozent gestiegen. Wir haben heute ein höheres Kredit-Leverage der US-Verbraucher im Konsumsektor als vor der Lehman-Pleite. Die Euphorie an den Märkten, die wir mit der Wahl Trumps erfahren durften, ist also auf sehr dünnem Eis gebaut.

Werden also die von Trump angekündigten Infrastrukturmaßnahmen, Steuersenkungen und Deregulierung die Wirtschaft nicht so stark ankurbeln wie erwartet?

Hellmeyer: Aufgrund der strukturellen Probleme in den USA – es gab dort keine Reformmaßnahmen, wie es sie in der Eurozone gegeben hat – sehe ich kein selbst tragendes, nachhaltiges Wachstum. Die Steuersenkungen könnten Mitte des Jahres greifen. Allerdings werden sie vermutlich ein kleineres Volumen haben als jetzt im Raum steht. Im vergangenen Jahr hatten wir bereits eine Neuverschuldung von 5,5 Prozent. Bei Umsetzung dieser Maßnahmen in vollem Umfang hätten wir 2017 eine Neuverschuldung in Richtung von 7 bis 8 Prozent.

Was die angekündigten Infrastrukturmaßnahmen betrifft: Die Projekte müssen identifiziert werden, dann muss es eine Projektplanung und eine Projektfinanzierung geben. Sie werden im günstigsten Fall erst ab Mitte 2018 eine ökonomische Wirkung entfalten. Man will hier ganz bewusst private Investoren zu Investitionen animieren und stellt ihnen dafür Steuervorteile in Aussicht. Die Infrastrukturprojekte belasten die öffentlichen Haushalte also nur unterproportional.