Finanzexperten zum Amtsantritt von Donald Trump Martin Hüfner: „Aktien deutscher Autobauer sind derzeit nicht in Gefahr“

US-Präsident Donald Trump (Foto: Getty Images, l.) und Martin Hüfner, Chefökonom von Assenagon

US-Präsident Donald Trump (Foto: Getty Images, l.) und Martin Hüfner, Chefökonom von Assenagon

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DAS INVESTMENT.com: Glauben Sie, dass die Fed die drei angekündigten Zinserhöhungen 2017 auch umsetzen wird? Und was würde das für die Aktienmärkte in den USA und Europa bedeuten? 

Martin Hüfner: Ich halte es für realistisch, für 2017 von drei Leitzinserhöhungen in den USA auszugehen. Die Wirtschaft läuft, die Arbeitslosigkeit ist niedrig und die Preissteigerung nimmt zu. Jetzt kommen in der bereits vollbeschäftigten Wirtschaft vermutlich noch fiskalpolitische Impulse hinzu. Das muss nach Adam Riese zu Überhitzungen führen. Da muss die Federal Reserve gegensteuern. Für den Aktienmarkt ist das an sich Gift. Man muss aber sehen, dass die Aktienmärkte heute zunehmend nicht mehr von monetären Impulsen getrieben werden, sondern von Unternehmensgewinnen. Da sind sie nicht mehr so sehr von der Geldpolitik abhängig. Daher glaube ich, dass sie die Zinserhöhungen verkraften werden.

Wie geht es weiter bei der US-Konjunktur: Werden Steuersenkungen, Infrastrukturausgaben und Deregulierung die US-Wirtschaft nachhaltig ankurbeln oder bremsen steigende Zinsen und ein immer stärkerer Dollar die US-Wirtschaft eher aus. Welcher Effekt wird Ihrer Meinung nach überwiegen?

Hüfner: Die expansiven Effekte werden in diesem Jahr klar überwiegen. Wenn sie schwächer als erwartet ausfallen würden, würde die Federal Reserve Abstriche bei ihren Zinserhöhungen vornehmen. In diesem Jahr dürfte das US-Wachstum auf 2,5 Prozent steigen (Vorjahr 1,6 Prozent). Im nächsten Jahr wird sich das aber nicht so fortsetzen. Dann werden die negativen Effekte des Protektionismus, der Begrenzung der Zuwanderung und der interventionistischen Wirtschaftspolitik stärker werden.

Trump verspricht Steuersenkungen und will Infrastrukturausgaben hochfahren. Das kann nur zu Lasten einer neuen Staatsverschuldung gehen. Die USA sind schon mit 20 Billionen Dollar im Minus. Kann das Schuldenmachen einfach so weitergehen?

Hüfner: Davor muss man leider ausgehen. Schuldenreduzierung gehört für die US-Administration nicht mehr zu den Prioritäten. Auch in Europa ist dieser Trend bedauerlicherweise zu beobachten. Unmittelbare Folgen davon für die Aktienmärkte gibt es nicht. Aber die Qualität derVolkswirtschaften leidet. Das Schlimmste, was den Amerikanern passieren könnte, wäre eine Herabstufung ihres Ratings. Das wäre in der Tat eine schwerwiegende Folge.

Seit dem Trump-Wahlsieg findet eine Rotation am US-Aktienmarkt statt: Anleger schichten von defensiven in zyklische Werte um. Wird dieser Trend anhalten und sind die goldenen Zeiten für die Aktien von Coca-Cola, Mc Donald's & Co. damit vorbei?

Hüfner: Wenn das Fiskalprogramm wirklich so umgesetzt wird, werden Zykliker wieder wichtiger. Freilichbefinden sich die USA in der Spätphase des Zyklus. Ich würde mich also nicht ganz von defensiven Werten verabschieden.