Finanzexpertinnen lehnen Frauenquote ab

Constanze Hintze, Anne M. Schüller, Christiane Froböse (v. li.)

Constanze Hintze, Anne M. Schüller, Christiane Froböse (v. li.)

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Deutsche Finanzfrauen finden das Thema Frauenquote uninteressant – oder sind entschieden dagegen. Das ist das Ergebnis einer Umfrage von DAS INVESTMENT.com unter deutschen Finanzberaterinnen und Vertriebsexpertinnen.

„Das Geschlecht sollte kein primäres Auswahlkriterium für die Besetzung von Führungspositionen sein“

„Frauen haben Stärken, die die Qualität von Entscheidungsfindungsprozessen verbessern können“, antwortete Christiane Froböse, Finanzberaterin bei der Hamburger Bank Donner & Reuschel, ehemals Conrad Hinrich Donner Bank. „Das Geschlecht sollte aber kein primäres Auswahlkriterium für die Besetzung von Führungspositionen sein“, sagt die Mitarbeiterin einer Bank, die regelmäßig Veranstaltungen speziell für Frauen anbietet.

Viel wichtiger findet Froböse, dass in den Unternehmen eine freiwillige Kultur entsteht, die eine solide Kombination beider Geschlechter fördert.

„Die Frauenquote in Norwegen ist ein Fake“

„Ich bin gegen starre, gesetzliche Regelungen“, meint auch Constanze Hintze Geschäftsführerin von Svea Kuschel + Kolleginnen – einer Beratungsfirma, die sich auf die Vorsorge- und Vermögensberatung von Frauen spezialisiert hat.  Denn zum einen würden verschiedene Branchen dies in dem angestrebten Zeitrahmen nicht hinbekommen. Zum anderen betrachtet die Finanzexpertin Norwegen, wo die Frauenquote bereits existiert, als abschreckendes Beispiel.

Die Quote sei ein „Fake und führe keinesfalls zu einer gleichberechtigten Teilhabe von Frauen an der wirtschaftlichen Macht. Von einer Art „Nichtenwirtschaft“ als Gegenpart zur „Vetternwirtschaft“ sei Norwegen noch weit entfernt. Zudem betreffe die Regelung lediglich börsennotierte Unternehmen, die nur einen kleinen Teil an allen norwegischen Firmen ausmachen. Um die Quote zu umgehen, gaben viele Unternehmen laut Hintze ihre Börsenzulassung zurück.

Grundsätzlich habe die Diskussion um die Frauenquote aber eines ans Tageslicht gebracht: Dass Frauen ihren Anteil an der Macht haben wollen und sich diesen auch nehmen. „Und das finde ich hervorragend und richtig“, sagt die Finanzberaterin.

Viele Frauen „um die 30“ hätten inzwischen auch eine andere Sichtweise was Partnerschaft, Kinder, Kinderbetreuung und finanzielle Eigenständigkeit anbelangt, so Hintze weiter. Ihnen sei klar, dass „Teilzeitmütter“, die ihren Job nur als „Nebenerwerb“ begreifen, keine Karriere machen. In anderen Frauen hingegen sitze diese Denkweise immer noch tief drin.

Des Weiteren bedeute Karriere nicht immer, dass Frauen auch ihren Leistungen entsprechend bezahlt werden. Und auch wenn das Gehalt stimmt, wird das Geld laut Hintze nicht immer inflationssicher angelegt, da viele Frauen immer noch zu vorsichtig investieren. Darüber hinaus vernachlässigen viele ihre Altersvorsorge, weil ihnen oft der gesunde Egoismus fehlt. „Eine hohe Frauenquote nützt Frauen wenig bis gar nichts, wenn nicht auch die Vermögensquote steigt“, schlussfolgert Hintze.

„Die Spielregeln der Macht müssen sich ändern“

Noch deutlicher formuliert es Anne M. Schüller. „Frauenquote? Nein danke“, sagt die Vertriebstrainerin und Kommunikationsexpertin. Denn Frauen gehören zwar laut Schüller an die Macht. Mit einer Quote lasse sich dieses Problem jedoch nicht lösen, da das Dilemma viel tiefer liegt: Nämlich in der unterschiedlichen Gehirnstruktur von Männern und Frauen.