Finanzfrage der Woche: Warum der Energiepreisanstieg nicht in den Depots ankommt?

Arbeiter auf dem Shirawa-Ölfeld im Irak<br/>Foto: Getty Images / AFP

Arbeiter auf dem Shirawa-Ölfeld im Irak
Foto: Getty Images / AFP

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Nahezu verdoppelt hat sich der Ölpreis 2009. Für Anleger, die mit Finanzprodukten auf den Ölpreis setzten, sollte es eigentlich ein Fest gewesen sein. War es aber nicht. Ihr Investment hat sich kaum bewegt. Schuld war etwas, das im Terminmarkt-Jargon Super-Contango heißt.

In Rohstoffe zu investieren ist nicht einfach. Denn abgesehen von Edelmetallen kommt ein Anleger am Futures-Markt nicht vorbei. Während er Gold oder Platin problemlos in seinem Safe oder Bankfach lagern kann, will er Öl, Weizen oder Kaffee gar nicht besitzen.

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Der Futures-Markt ist schon über 100 Jahre alt. 1843 gründeten Kaufleute aus Chicago die erste Börse für Rohstoffe: die Chicago Board of Trade (CBOT). Der erste Forward-Kontrakt stand 1851 in den Büchern. Es ging um 3.000 Scheffel Mais, die nicht sofort, sondern zu einem späteren Termin zu einem vorab fest vereinbarten Preis geliefert werden sollten. Forwards werden direkt zwischen zwei Parteien geschlossen, zum Beispiel dem Kakao-Anbauer und dem Schokoladen-Hersteller. Beide können so ihr künftiges Geschäft besser planen und sind nicht den zum Teil heftigen Preisausschlägen ausgeliefert.

Rohstoffe handeln mit Futures

Futures gehen einen Schritt weiter, sie sind standardisierte Forwards, die an der Börse handelbar sind. Ein Future-Kontrakt fixiert einen Kaufpreis für eine bestimmte Menge eines Rohstoffs, die zu einem bestimmten Datum geliefert wird. Der Wert des Kontrakts ändert sich während seiner Laufzeit entsprechend Angebot und Nachfrage.

Futures gibt es mittlerweile auf die unterschiedlichsten Rohstoffe, die an Rohstoffbörsen rund um die Welt gehandelt werden. Bekannt sind neben der CBOT, die 2007 mit der Chicago Mercantile Exchange zur CME Group verschmolzen ist, die New York Mercantile Exchange (NYMEX) mit ihrer Metallabteilung (COMEX) oder in London die Energiebörse IPE und die Metallbörse LME. Auch in Asien werden Rohstoffe an großen Börsen gehandelt, ebenso gibt es weltweit kleinere Marktplätze, etwa die Leipziger Energiebörse EEX.

Auf das Rollen kommt es an

Entscheidend für den Rohstoffinvestor ist das Rollen. Will er den Rohstoff nicht mit Ablauf des Futures geliefert bekommen und dafür bezahlen, muss er seinen Future rechtzeitig verkaufen und einen neuen, länger laufenden Future kaufen, um investiert zu bleiben. Dieser Vorgang heißt rollen. Dabei können Gewinne oder Verluste entstehen. Bringt der Verkauf eines Futures zum Beispiel 45 Dollar, der neue Future kostet jedoch 50 Dollar, erwirbt der Anleger mit seinem Erlös nur noch 90 Prozent des Futures. Damit macht er zunächst keinen Gesamtverlust, da er zwar weniger Anteile besitzt, diese aber auch mehr wert sind. Wenn die Preisentwicklung den Erwartungen jedoch nicht hinterherkommt, übersteigen die Rollverluste die Spot-Rendite des Rohstoffs.

Rollverluste entstehen immer bei steigenden Terminkurven, wenn die Futures mit längerer Laufzeit teurer sind als die mit kurzfristiger Fälligkeit. Rohstoffhändler nennen diesen Zustand Contango. 2009 waren Terminkurven besonders steil. So kostete etwa im Januar 2009 der März-Öl-Future 17 Prozent mehr als der Februar-Future. Rollverluste fraßen die Spot-Rendite, und für den Anleger blieb von der Öl-Hausse wenig übrig. Das sah bei einigen anderen Rohstoffen ähnlich aus.

Verlockender für ein Investment sind daher in der Regel Rohstoffe in Backwardation – das Gegenteil von Contango. Futures, die ihrer Fälligkeit näher liegen, werden zu höheren Preisen gehandelt als Verträge, die noch länger laufen. Die Terminkurve fällt ab. Beim Rollen entstehen Gewinne, der Investor bekommt für den Verkauf seines Futures mehr, als er für den nächsten zahlen muss.