Finanzfrage der Woche: Wie funktionieren ETFs?

Die Börse Frankfurt

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Sie sind die Anlageklasse des neuen Jahrtausends: Ende 2000 gab es europaweit nur sechs börsengehandelte Indexfonds (Exchange Traded Funds, kurz ETFs), die 723 Millionen Euro verwalteten. Bis zum Jahr 2008 hatte sich das Vermögen auf 89,3 Milliarden Euro mehr als verhundertzwanzigfacht.

Über 300 Produkte zu haben

Das besondere Merkmal von ETFs: Anstatt einen Manager mit der Geldverwaltung zu beauftragen, kopieren sie Marktindizes – ohne jede emotionale Regung. In Deutschland sind derzeit 309 ETFs im Vertrieb. Marktführer ist der Anbieter I-Shares mit allein 137 Fonds, der sich zu Beginn 2007 den bisherigen deutschen Marktführer Indexchange einverleibte.

Das wohl stärkste Argument für ETFs sind ihre niedrigen Kosten. Einen Ausgabeaufschlag wie bei herkömmlichen Investmentfonds gibt es nicht. Interessenten bekommen ETFs ausschließlich über die Börse und werden sie auch nur dort wieder los. Als ETF-Handelsplatz dient die Plattform XTF der Deutschen Börse. Wie bei einem Aktienumsatz werden beim ETF-Handel Gebühren fällig. Bei Filialbanken macht das normalerweise ein Prozent des Anlagebetrags aus, Online-Banken berechnen etwa 0,25 Prozent. Sogenannte Market Maker stellen dabei sicher, dass Anleger jederzeit zum (höheren) Briefkurs kaufen und zum (niedrigeren) Geldkurs verkaufen. Die als Spread bezeichnete Kursdifferenz, die mit einem Aufschlag vergleichbar ist, können Anleger bei ihrer Bank oder über einen Internet-Dienstleister abfragen.

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Doch auch die laufenden Kosten der Billigheimer scho-nen das Portemonnaie. So beträgt laut der Rating-Agentur Lipper die durchschnittliche Gesamtkostenquote (TER) für die in Deutschland zugelassenen Aktien-ETFs derzeit 0,39 Prozent im Jahr. Aktiv gemanagte Aktienfonds schlagen dagegen mit 1,83 Prozent zu Buche. Bei Rentenfonds wiederum liegen die Mittelwerte bei 0,16 Prozent für ETFs und 1,0 Prozent für aktive Fonds.

Konkurrenten in puncto Kosten sind nur Indexzertifikate. Denn diese Papiere dienen dem gleichen Zweck wie ETFs, weisen aber oftmals noch niedrigere laufende Kosten auf. „Viele institutionelle Investoren wie Pensionskassen bevorzugen trotzdem ETFs, da sie aus rechtlichen Gründen nicht in Zertifikate investieren dürfen“, erklärt Funda Tarhan, die die Market-Access-ETFs von der Royal Bank of Scotland betreut.

Hintergrund: Geht der Emittent pleite, wird ein Zertifikat wertlos. Dieses Ausfallrisiko würde sich der institutionelle Anleger in die Bilanz holen. ETFs dagegen sind wie traditionelle Investmentfonds Sondervermögen und somit im Konkursfall des Anbieters geschützt. Ein weiterer Vorteil von ETFs gegenüber Zertifikaten ist erst auf den zweiten Blick erkennbar: ETFs schütten Dividenden generell an Anleger aus oder legen sie gleich wieder mit an. Viele Zertifikate hingegen bilden Preisindizes nach, die ohne Dividenden berechnet werden. Ob und wie viel der Dividenden ins Zertifikat einfließt, steht im Prospekt oder der Broschüre häufig im Kleingedruckten.

Nur wenige Alpha-Tiere

Herrscht bezüglich der Preisvorteile noch gewisse Eintracht, so scheiden sich die Geister bei der Leistung der Indexfonds. Der Zank beginnt bereits mit der Frage, welcher Investmentansatz denn der bessere sei: aktiv oder passiv. Die Verfechter aktiven Managements beharren darauf, dass sich der Markt durch die geschickte Auswahl von Aktien schlagen lasse. Das ist natürlich richtig: Aktienkurse bilden selten den wahren Wert eines Unternehmens ab. Sie unterliegen Fehleinschätzungen, die für Profis erkenn- und nutzbar sind. Der Mehrwert, den jene gegenüber dem Markt erzielen, wird als Alpha bezeichnet.