Finanzfrage der Woche: Wie funktionieren Zertifikate?

Zertifikate gibt es auch auf <br>Rohstoffe wie Kaffee.<br>Foto:Fotolia

Zertifikate gibt es auch auf
Rohstoffe wie Kaffee.
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Zertifikate gehören zur Gattung der Derivate, also der von anderen Gütern abgeleiteten Anlageformen. Der Begriff an sich ist keine gesetzlich geschützte Formulierung. Theoretisch könnte jedes Unternehmen Zertifikate anbieten, sofern es einen korrekten Wertpapierprospekt erstellt, den die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) billigt. Nur in Ausnahmen, wie etwa bei bestimmten Garantieprodukten, muss der Emittent bei der Anstalt als Bank genehmigt sein.

Vorsicht: Emittentenrisiko

Rechtlich gesehen sind Zertifikate Anleihen, deren Wertentwicklung mit einem bestimmten Basiswert zusammenhängt. Das können etwa Aktien, Indizes, Devisen, Rohstoffe und sogar andere Zertifikate sein. Zertifikate tragen das anleihentypische Emittentenrisiko, also die Gefahr, dass der Herausgeber des Zertifikats den versprochenen Betrag zum Laufzeitende nicht zahlen kann. Vor dem Kauf eines Zertifikats sollte der Anleger daher stets einen Blick auf die Schuldnerqualität des Emittenten werfen. Inzwischen bietet der Deutsche-Derivate-Verband (DDV) auf seiner Webseite eine entsprechende Abfragemöglichkeit an.

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Einen traurigen Anlass zu einer neuen Diskussion über das Emittentenrisiko gab es, als im Herbst 2008 der Zertifikateanbieter Lehman Brothers pleite ging und die emittierten Zertifikate ausfielen. Ein Blick aufs Rating hätte zuvor nichts genutzt. Denn das war makellos.

Hier helfen Credit Default Swaps (CDS), eine Art börsennotiertes Ausfallrisiko. CDS sind die Fieberkurven der Kreditmärkte. Je höher sie notieren, desto höher empfindet der Markt das Ausfallrisiko. Damit sind sie schneller als die behäbigen Ratings, tendieren aber auch dazu, gern mal ein Fehlsignal zu liefern. Grundsätzlich sollten Zertifikateanleger ihr Depot sowieso immer über viele verschiedene Anbieter verteilen.

Gut kopiert – der Index-Tracker

Die wohl simpelste Gruppe von Zertifikaten bildet ihre Basiswerte unverfälscht ab. Anleger können sich mit Indexzertifikaten schon mit kleinen Anlagebeträgen direkt an Aktien- oder Rentenindizes beteiligen. Der Preis dieser Zertifikate errechnet sich aus dem Basiswert und dem Bezugsverhältnis. Beträgt das beispielsweise 1 zu 100, kostet ein Dax-Zertifikat bei einem Dax-Stand von 7.000 Punkten etwa 70 Euro.

Zudem können Anleger auch an der Entwicklung eines Aktienkorbes partizipieren, den der Emittent selbst zusammengestellt hat und auch berechnet. In den vergangenen Monaten deckten diese Körbe vor allem Themen wie Klimaschutz, die Ölsuche oder alternative Energien ab. Bei Index- und Partizipationszertifikaten sollten Anleger stets darauf achten, ob die Dividenden der unterlegten Aktien mit eingerechnet werden oder ob sie in die Tasche des Emittenten fließen.

Wenn’s defensiver sein soll

Ein großer Vorteil von Zertifikaten ist, dass sie einen Markt oder einen Basiswert nicht einfach nur abbilden, sondern mit zusätzlichen Chancen und vor allem Absicherungen versehen können. Dazu setzen die Emittenten Termingeschäfte, wie Optionen, ein, die sie gern über die Dividenden der Basisaktien finanzieren. Auf diese müssen Anleger bei den strukturierten Zertifikaten deshalb meist verzichten. Unter einer großen Auswahl verschiedenster Konzepte haben sich einige Produkttypen etabliert, die Anlegern einen Teilschutz beim Investieren bieten.

Über Discountzertifikate steigen Anleger mit Rabatt in einen Wert, zum Beispiel den Dax, ein. Das Zertifikat ist günstiger als der Index, dafür sind aber auch die Gewinnchancen auf ein bestimmtes Limit (Cap) begrenzt. Am Ende der Laufzeit erhält der Anleger den Gegenwert des Index beziehungsweise den festgelegten Maximalbetrag. Ist der Basiswert eine Aktie, bekommt der Anleger die Aktien, falls der Cap nicht erreicht ist.

Discounter eigen sich besonders für Seitwärtsmärkte, da Anleger Gewinne erzielen, wenn der Kurs des Basiswerts stagniert oder sogar leicht sinkt. Denn den Preisabschlag holt das Zertifikat in jedem Fall auf.

Ebenfalls in stagnierenden, aber auch in steigenden Märkten rentieren sich Bonuszertifikate. Hier erhält der Anleger am Laufzeitende einen Mindestbetrag ausgezahlt, der über dem aktuellen Kurs des Basiswertes liegt (Bonus) – auch wenn der Basiswert nur noch auf der Stelle tritt. Sollte der Kurs über den versprochenen Bonus hinaus steigen, nimmt der Anleger auch daran unbegrenzt teil. Nur wenn der Kurs des Basiswerts eine vorher bestimmte Sicherheitsschwelle berührt oder unterschreitet, ist der Bonus futsch. Das Zertifikat bildet den Basiswert dann nur noch eins zu eins ab.

Neue Variationen des Themas begrenzen die Höhe des Gewinns auf den Bonus (Capped-Bonuszertifikate). Andere nutzen mehrere Basiswerte zugleich („Multi“). Damit steigt das Risiko, dass einer nach unten durchrutscht. Dafür ist entweder die Sicherungsschwelle tiefer oder der Bonus höher als bei klassischen Bonuszertifikaten. Überhaupt gibt es Bonuszertifikate inzwischen in so vielen Varianten, dass Sie vor dem Kauf gut hinschauen sollten.

Airbags bieten Schutz

Wem das zu heiß ist, der sichert sich lieber mit einem Airbag-Zertifikat ab. Das rutscht nämlich erst dann ins Minus, wenn der Basiswert am Laufzeitende eine bestimmte Verlustschwelle unterschritten hat. Und selbst dann verliert das Zertifikat noch in geringerem Maße an Wert als das Zielobjekt selbst. An Kursgewinnen nimmt es jedoch eins zu eins teil.

Bei Expresszertifikaten bekommt der Anleger sein Geld plus Bonus zurück, sobald der Basiswert an einem festgelegten Termin unverändert oder höher notiert als am Anfangstag. Falls nicht, wird das Spielchen verlängert und der Bonus aufgestockt. Nur wenn der Basiswert zum letztmöglichen Termin noch immer im Verlust liegt, fällt der Bonus endgültig aus. Dann bekommt der Anleger trotzdem sein Geld zurück, wenn der Basiswert über einer bestimmten Kursschwelle geblieben ist.