Finanzmarktrichtlinie Mifid-II-Folge: Premium-Analysen kosten 120.000 Euro

Die Nomura Holdings hat ihren Hauptsitz in Tokio | © Getty Images

Die Nomura Holdings hat ihren Hauptsitz in Tokio Foto: Getty Images

120.000 Euro pro Jahr ist die Summe, die die japanische Großbank Nomura im April für ein All-Inclusive „Premium-Angebot“ aufrief, wie aus Preisunterlagen hervorgeht, in die Bloomberg Einsicht hatte. Zwar erklärte Nomura, dass die Preissetzung noch im Fluss und die Bank selbst in den Gesprächen mit Kunden flexibel sei. Doch das Dokument liefert einen Anhaltspunkt dafür, in welche Richtung die Einigung zwischen Banken und Kunden für etwas gehen könnte, das bislang kaum in Rechnung gestellt wurde.

Die globale Analyse-Branche wird in diesen Tagen in Aufruhe versetzt von der Mifid-II-Regulierung der Europäischen Union (EU), die ab dem 3. Januar 2018 gilt. Ihr Ziel ist es, Interessenkonflikte zu vermeiden, indem Vermögensverwalter dazu verpflichten werden, die von ihnen gezahlten Handels-Kommissionen von den Gebühren für Investment-Analysen zu trennen.

Banken arbeiten seit einiger Zeit daran, ein Modell zu finden, bei dem sie ihre Analysen zu einem Preis verkaufen, der die Kunden nicht vertreibt, und der sie gleichzeitig nicht dem Vorwurf aussetzen könnte, sie würden die neuen Vorschriften umschiffen. Nomuras Premium-Angebot beinhaltet alle Analystenberichte zur globalen Konjunktur, zu Fixed Income, Credit und Devisen. Hinzu kommen Dienste wie beispielsweise Kontakt zu Analysten und Einladungen zu Veranstaltungen.

Extra-Gebühren auf Stundenbasis

Andere „A-la-Carte“-Optionen würden Kunden die Möglichkeit einräumen, lediglich Studien von Analysten zu kaufen, wobei dann Extra-Gebühren auf Stundenbasis für Gespräche mit Analysten zu entrichten sind. Letztere richten sich nach dem Erfahrungsgrad und die Gebührensätze müssen erst noch festgelegt werden.

Ein Pressesprecher von Nomura wollte auf Nachfrage von Bloomberg keinen weiteren Kommentar abgeben. Er sagte lediglich, dass sich die Preise aus dem April inzwischen verändert hätten, nannte aber keine Details. 

Zu den damals ins Spiel gebrachten günstigeren Optionen zählen der Bezug lediglich von Studien zu Devisen und Konjunktur zu einem Preis von 60.000 Euro. Für Schwellenländer-Analysen oder Fixed Income- und Credit-Pakete, stiegen die Kosten auf 80.000 Euro. In den Unterlagen wurden keine Preise für Aktien-Analysen genannt. Zudem war der Hinweis zu finden, dass die Preise, angegeben in Euro, nur ein Anhaltspunkt seien und sich noch verändern könnten.

So reagieren die Mitbewerber

Die Deutsche Bank hat bei Kunden einen abgezählten „Pay-As-You-Go“-Ansatz beworben, wie Bloomberg unlängst von informierten Personen erfuhr. Konkurrent JPMorgan Chase wiederum nannte Kunden einen Pauschalbetrag von 50.000 Dollar, um Basis-Zugang zu Analysen zu Festverzinslichen zu erhalten.

Mifid II wird wohl hunderte Analysten ihren Arbeitsplatz kosten, gleichzeitig dürften Banken rund 1,2 Milliarden Dollar an Investments in diesem Bereich streichen. Das ging vergangene Woche aus einer Studie von McKinsey hervor. Den Schätzungen des Beratungsunternehmens zufolge geben die zehn größten Banken der Sell-Side derzeit 4 Millarden Dollar jährlich für Analysen aus - und diese Summe wird um etwa 30 Prozent schrumpfen.