„Finger weg von inflationsgeschützten Anleihen“

Vermögensverwalter Wolfgang Zillich

Vermögensverwalter Wolfgang Zillich

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In jüngster Zeit konnte man aufgrund der Staatsverschuldungsthematik sehr häufig die Aussage vernehmen, dass sich die einzelnen Länder durch eine steigende Inflation aus ihrer prekären Situation befreien könnten. Dies ist der Anlass die entsprechenden Produkte einmal genauer zu betrachten.

Bei inflationsgeschützten Anleihen, auf Englisch „Inflation Linked Bonds“ genannt, unterscheidet man grundsätzlich zwei verschiedene Varianten: die sogenannte Zinsvariante und die Nennwertvariante.

Bei der Zinsvariante bleibt der Nennwert von der Inflationsrate unberührt, angepasst wird nur der auszuzahlende Zinssatz. Bei der Nennwertvariante ist es schon komplizierter, hier verändert sich die Kapitalbasis. Der Zinssatz bleibt generell gleich und die Inflationsrate erhöht den Nennwertbetrag. Da der Zinsausschüttung immer auf den Nennwert berechnet wird, steigt diese im Zeitablauf.

Bausteine der Inflation

Um die Anlage in inflationsgeschützte Anleihen beurteilen zu können, ist es wichtig eine Prognose über die zukünftige Entwicklung der Inflation erstellen zu können. Es gibt drei wesentliche Einflussgrößen, die sich auf die Inflation auswirken:  Lohnkosten, Produktionskosten und staatliche Preiserhöhungen.

Wenn wir auf die Lohnkosten schauen, dann müssen wir Teile der Volkswirtschaft analysieren. Ein Grundprinzip laut dem Ökonomen John Maynard Keynes ist der Zusammenhang zwischen Arbeitslosigkeit und Inflation.

In den USA und vielen europäischen Ländern gibt es aktuell eine hohe Arbeitslosenzahl. Das heißt, dass es Gewerkschaften und Arbeitnehmern aktuell nicht gelingen wird, Lohnerhöhungen durch zusetzten. Es gibt eine große Zahl von Menschen, die auf den Arbeitsmarkt streben und den Faktor Arbeit günstig halten. Da viele Länder ihre Staatshaushalte sanieren müssen, wird der öffentliche Sektor eher schrumpfen als wachsen. Auch dies spricht gegen eine steigende Inflation.

Die Produktionskostentheorie von Adam Smith ist die Grundlage für den Zusammenhang zwischen Produktionskosten und Inflation. Aktuell werden die Vorhersagen für die Weltkonjunktur deutlich nach unten korrigiert. Das bedeutet, dass auch die Nachfrage nach Rohstoffen, sowohl Industriemetallen, als auch Energie nicht dramatisch steigen wird. Bei einer Kapazitätsauslastung von 77 bis 79 Prozent in den USA, befinden wir uns auch weit unterhalb des Niveaus, ab dem sich die Produktion durch eine Überauslastung der Produktionsstätten verteuert.

Der einzige Bereich, von dem ein begrenzter Inflationsschub ausgehen kann, ist der staatliche Einflussbereich. Es ist nicht auszuschließen, dass im Rahmen der Konsolidierung der Staatsfinanzen Steuererhöhungen beschlossen werden. Eine Erhöhung der Mehrwertsteuer beispielsweise hat einen direkten Einfluss auf die Inflation.

Zwischenfazit: Trotz möglicher Steuererhöhungen ist die Inflation auf lange Zeit tot.