Fintech-Spezialist Ton Kentgens „Das nächste große Thema für Robo-Adviser ist Finanzplanung“

Ton Kentgens betreut die globale Geschäftsentwicklung beim Technologie-Anbieter Ortec Finance

Ton Kentgens betreut die globale Geschäftsentwicklung beim Technologie-Anbieter Ortec Finance

DAS INVESTMENT.com: Sie haben eine gute Übersicht über die europäischen Fintech- und speziell Robo-Advisory-Märkte. Sehen Sie Unterschiede zwischen Deutschland und anderen Ländern?

Ton Kentgens: Deutschland hat europaweit die größte Anzahl an Fintech-Unternehmen. Allerdings sind die meisten von ihnen Execution-only-Angebote: Man kann Fonds und Investmentprodukte kaufen und verkaufen. Wirkliche Beratung oder eine umfassende Finanzplanung wird selten angeboten. Das allerdings wird die Zukunft von Robo-Beratung sein: Zielorientierte Finanzplanung wird immer wichtiger.

Wie kommen Sie darauf?

Kentgens: Durch die Anforderungen von Mifid II: Man wird in der Beratung zukünftig nicht mehr darum herumkommen, den ganzen Rahmen zu berücksichtigen, den ein Kunde mitbringt. Die ab Januar 2018 greifende Richtlinie sagt, dass beim Thema Finanzanlage Kunden immer nach ihren Zielen und ihrer Risikotragfähigkeit gefragt werden sollen, egal über welchen Kanal man an sie herantritt. Der einzige Weg, das korrekt vorzunehmen, ist eine Finanzplanung. In Zukunft wird Finanzplanung nicht nur für Kunden angeboten werden, die große Summen anlegen, sondern auch für die kleineren Privatkunden.

Das hört sich sehr kostenintensiv an.

Kentgens: Wenn man Finanzplanung online anbietet, ist das sehr günstig. Es ist ja keine Raketenwissenschaft. Bei einem durchschnittlichen Kunden ist die Situation auch nicht allzu komplex. Auch die Technologie gibt es bereits, wir bieten sie schon an. Die Herausforderung ist eher, den Kunden so durch den Prozess zu führen, dass er alles versteht, was er da macht.

Ihr Unternehmen Ortec ist in den Niederlanden ansässig. Ist das nach dem Provisionsverbot nicht ein besonders fruchtbarer Markt für Robo-Adviser?

Kentgens: Viele Leute denken, dass unter diesen Bedingungen dann viele Fintechs aufkommen würden. Das ist aber nicht der Fall. In den Niederlanden gibt es gar nicht den Bedarf für so viele Fintech-Unternehmen. Die Einführung der Provisionsrestriktionen hat vor allem dazu geführt, dass die Kunden jetzt genau sehen können, wie teuer ein Angebot ist. Vieles läuft trotzdem über Banken.

Den Banken sagt man allerdingseine ungewisse Zukunft voraus: Bei ihrem Anlageangebot werden sie von unabhängigen Robo-Beratern bedroht. Außerdem lohnen sich Angebote für Privatkunden für Banken aus Kostengründen immer weniger.

Kentgens: Die niederländischen Banken sehen, dass es für einzelne Kleinanleger sehr teuer ist, individuell am Aktienmarkt zu investieren. Daher bieten sie Modellportfolien oder ETFs an. Wer nur geringe Mittel zur Verfügung hat, bekommt dann einfacher strukturierte Produkte angeboten. Die Beratung kann sehr schnell durchgeführt werden und ist kosteneffizient.