Fintechs Erster Robo-Advisor drängt ins Kreditgeschäft

Fintechs: Erster Robo-Advisor drängt ins Kreditgeschäft | © Fancycrave

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Das Fintech-Unternehmen Wealthfront erklärte in dieser Woche in einem Blog-Eintrag, dass das Unternehmen damit beginnen wird, Kredite zu offerieren. Dies sei das erste Angebot dieser Art in den Reihen der Robo-Berater, die für Vermögensverwaltung auf Basis automatisierter Anlage-Plattformen bekannt sind. Ermöglicht wird dies durch eine Kooperation mit RBC Capital Markets.

„Das passt völlig zu unserer Strategie. Diese sieht vom Grundsatz her vor, jede wichtige Dienstleistung, die ein privater Vermögensverwalter reichen Kunden anbietet, zu nehmen und dabei Software zu nutzen, um es einigen Leuten anzubieten, die sich die Mindestanlagesummen nicht leisten können“, sagte Andy Rachleff, der Geschäftsführer von Wealthfront, in einem telefonischen Interview mit Bloomberg.

Kunden mit mindestens 100.000 US-Dollar (93.423 Euro) können sich demnach künftig bis zu 30 Prozent ihres Guthabenstandes leihen. Dabei dient das eigene Portfolio als Sicherheit. Um einen Kredit zu bekommen, müssen Wealthfront-Kunden als Voraussetzung ihre Anlagen allerdings auf einem steuerpflichtigen Konto führen. Das schließt die Mehrheit der Kunden aus.

Höhere Risiken für Unternehmen

Die aktuelle Produkteinführung ist die jüngste in einer ganzen Reihe von Angeboten des Unternehmens aus dem kalifornischen Redwood City, bei dem Mitbegründer Rachleff im vergangenen November erneut an Bord gegangen war. Andere Ankündigungen in den vergangenen zwölf Monaten durch Wealthfront, das fast 6 Milliarden US-Dollar (5,6 Milliarden Euro) verwaltet, umfassen beispielsweise einen speziellen Hochschul-Sparplan und eine verbesserte Plattform für die Finanzplanung namens Path.

Das neue Kredit-Programm könnte die Risiken für das Unternehmen erhöhen, warnte Analyst George Pearkes von Bespoke Investment Group. „Falls das Portfolio schrumpft, wird der Kredit weniger sicher“, sagte er. „Es hängt auch davon ab, welche Art von Aktiva im Portfolio liegen, was die Cashflow-Situation der Person ist und wie viele andere Verbindlichkeiten sie haben.“

Skepsis über Wettbewerbsvorteil

In der Branche herrscht Skepsis vor, welchen Wettbewerbsvorteil der neue Dienst eigentlich bietet. Andere Robo-Berater hatten sich die Vergabe von Krediten zwar ebenfalls angesehen, sich dann allerdings dazu entschieden, sich zunächst auf andere Dienstleistungen zu konzentrieren.

Josh Brown von Ritholtz Wealth Management ist der Meinung, dass die großen Unternehmen aus der Finanzbranche das Angebot mit Leichtigkeit selbst einführen könnten. „Das ist nichts, was Schwab nicht morgen machen könnte”, sagt er. Charles Schwab verwaltete Ende März Vermögen im Volumen von 2,9 Billionen Dollar, teilte der Broker aus San Francisco am 14. März mit.