Flossbach-von-Storch-Spezialist Stephan Fritz Darum gibt es keine Rückkehr zu ehemaligen Zinsniveaus

Stephan Fritz ist Produktspezialist Multi-Asset beim Kölner Vermögensverwalter Flossbach von Storch.

Stephan Fritz ist Produktspezialist Multi-Asset beim Kölner Vermögensverwalter Flossbach von Storch.

In den Medien konnte man zuletzt den Eindruck gewinnen, dass die Zinswende bereits eine ausgemachte Sache ist. Nur noch eine Frage der Zeit, bis die Zinsen wieder hochgehen. Und tatsächlich: Im ersten Quartal dieses Jahres stiegen zumindest schon einmal die Renditen zehnjähriger Bundesanleihen zwischenzeitlich von 0,5 auf fast 0,8 Prozent. Endlich: ein Anstieg! Aber ein nachhaltiger? Zuletzt fiel die Rendite der „Zehnjährigen“ wieder unter 0,5 Prozent. Ist diese temporäre Bewegung am Anleihemarkt von weniger als 30 Basispunkten wirklich eine Zinswende?

Wohl eher nicht. Unseres Erachtens kann man von einer Zinswende sprechen, wenn der Zins wieder auf Niveaus zurückkehrt, die wir vor dem Ausbruch der Finanzkrise hatten. Das würde aber einen Anstieg auf deutlich mehr als 4 Prozent für langlaufende Bundesanleihen bedeuten. 400 statt 30 Basispunkte. Eine Zinswende und damit Verhältnisse wie vor der Finanzkrise würde zudem bedeuten, dass Anleihen von Ländern wie Italien mit einem deutlichen Renditeaufschlag gegenüber deutschen Anleihen auf den Markt gebracht werden müssten.

Italien wäre zahlungsunfähig

Wenn wir tatsächlich von einer Zinswende ausgehen, die ihren Namen verdient, bedeutet das im Übertrag auf Italien ein Zinsniveau, das den Staatshaushalt sprengen würde. Angesichts der hohen Staatsverschuldung Italiens von rund 130 Prozent des Bruttoinlandprodukts erscheint ein veritabler Zinsanstieg unmöglich – er würde schlicht die Zahlungsunfähigkeit Italiens bedeuten und voraussichtlich das Ende der Währungsunion in ihrer jetzigen Form. Da aber das Wort von EZB-Präsident Mario Draghi weiter gilt, den Euro um jeden Preis zu erhalten („whatever it takes“), ist dies wohl kein wahrscheinliches Szenario.

Eher unwahrscheinlich dürfte auch ein Szenario sein, bei dem Deutschland in der Eurozone einer uneingeschränkten Risikoübernahme für Verbindlichkeiten der anderen Euro-Mitglieder zustimmte. Zumal nicht sicher ist, dass der konjunkturelle Aufschwung in der Eurozone unverändert anhält. Vor diesem Hintergrund dürfte es in den kommenden anderthalb Jahren wohl keine wesentliche Erhöhung der Leitzinsen geben. Eventuell verabschiedet sich die EZB vom negativen Einlagenzins und macht einige kleine Zinsschritte. Viel mehr dürfte dann eher nicht kommen – denn das würde Länder wie Italien, Spanien oder Portugal überfordern.

Rückkehr dauerhaft verbaut

Was bleibt? Zwar hoffen viele Sparer auf eine Zinswende. Unseres Erachtens aber ist eine Rückkehr zu Zinsniveaus wie vor der Finanzkrise durch hohe Schulden dauerhaft verbaut. Dem sollten Sparer Rechnung tragen: Denn solange sie auf steigende Zinsen warten, verliert ihr Geld auf dem Sparbuch Kaufkraft. Höchste Zeit also für Sparer, den ersten Schritt zu wagen. Weg vom Sparbuch, hin zu einem aktiv verwalteten Portfolio mit einem soliden Anteil Anleihen und zumindest einem kleinen Anteil Aktien. Der sollte nicht fehlen. Ganz ohne Aktien könnte es sehr schwer werden, angesichts von Nullzins und Inflation den realen Wert des Vermögens dauerhaft zu erhalten, geschweige denn langfristig zu mehren.