Flugzeugmarkt Netzwerker und Kostensparer: worauf Airlines setzen

Flughafen Düsseldorf: Zur Transportdienstleistung einer Fluggesellschaft gehört auch die sichere Verladung des Gepäcks.

Flughafen Düsseldorf: Zur Transportdienstleistung einer Fluggesellschaft gehört auch die sichere Verladung des Gepäcks.

Die Transportdienstleistungen der Airlines bilden das Fundament, auf dem die Luftfahrtbranche aufgebaut ist. Dabei verfolgen die Fluggesellschaften im wesentlichen drei unterschiedliche Geschäftsmodelle, die sich in die Bereiche Netzwerkcarrier, Touristcarrier und Low-Cost-Carrier unterteilen. Sie lassen sich anhand einer Vielzahl von Faktoren unterscheiden, allerdings sind die Grenzen teilweise fließend.

Netzwerkcarrier: hohes Service-Level

Bei Netzwerkcarriern handelt es sich – der Name deutet es schon an - typischerweise um große Airlines mit einem großen Netzwerk an Flugzielen. Zu dieser Gruppe zählen auch die Flag-Carrier, die wichtigsten Luftfahrtgesellschaften der Länder, die oftmals aus staatlichen Unternehmen entstanden sind oder an denen der Staat immer noch beteiligt ist. Beispiele für solche Carrier sind unter anderem die ehemals staatliche British Airways - aber auch Emirates, die Airline der Vereinigten Arabischen Emirate.

Netzwerkcarrier zeichnen sich üblicherweise durch ein besonders hohes Servicelevel aus und legen Wert darauf, dass nicht nur der Flug selbst, sondern auch die Dienstleistungen vom Einchecken bis zum Auschecken als ein Erlebnis wahrgenommen werden. Charakteristisch sind neben einer globalen Präsenz auch umfangreiche Kundenbindungsprogramme und sogenannte Hub-Spoke-Netzwerke.

Hub-Spoke-Netzwerke: Zusammenfassung

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Quelle: Dr. Peters Group

Touristikcarrier: Point-to-Point-Netzwerke

Touristik- oder auch Chartercarrier sind Airlines, die von Touristikunternehmen betrieben werden – beispielsweise die zum TUI-Konzern gehörende TUIfly. Die Konzerne machen sich auf diesem Wege Synergieeffekte aus dem Vertrieb von Hotelübernachtungen und den zugehörigen Flügen zunutze. Typisch für diese Carrier sind so genannte Point-to-Point-Netzwerke, die mit einer eher homogenen Flotte bedient werden. Der Servicelevel ist im Vergleich zu Netzwerkcarriern gering, zumeist bieten diese Airlines ausschließlich Economy-Flüge an.

Quelle: Dr. Peters Group

Low-Cost-Carrier: Preisstrategen

Besonders in den letzten Jahren hat das Geschäftsmodell der Low-Cost-Carrier an Fahrt gewonnen. Aufgrund von Kosteneinsparungen in vielen Bereichen können die Airlines den Fluggästen Preise anbieten, die mitunter deutlich unter denen der Netzwerk- und Touristikcarrier liegen. Möglich wird dies unter anderem durch Einsparungen in den Bereichen Verwaltung und Flughafengebühren sowie beim fliegenden Personal.

An der Wartungsqualität sparen diese Airlines hingegen kaum, denn die internationalen Vorschriften den Airlines nur eingeschränkte Handlungsspielräume lassen. Ein typisches Kennzeichen der Low-Cost-Carrier ist die Homogenität der eingesetzten Flugzeuge: So besteht etwa die Flotte von Ryanair – definitiv ein Pionier in diesem Segment – ausschließlich aus Flugzeugen des Typs Boeing 737. Wie die Touristik-Carrier nutzen auch diese Airlines Point-to-Point-Konzepte.

Marktsegmente in Bewegung

In den letzten Jahren zeigten einige dieser Geschäftsmodelle eine besondere Dynamik entwickelt. So üben beispielsweise die Airlines aus dem arabischen Raum - darunter Emirates – einen merklichen Konkurrenzdruck auf alteingesessene Netzwerkcarrier aus. Auch bei den Low Cost Carriern zeichnen sich neue Entwicklungen ab: So hat sich etwa Norwegian Airways sehr erfolgreich ins Langstreckensegment vorgewagt, was für dieses Marktsegment eher untypisch war. Auch andere Fluggesellschaften arbeiten an solchen Konzepten.

„Eine Komponente ist sicherlich, dass der Kraftstoffpreis bei der Langstrecke einen größeren Einfluss hat, als dies bei Kurzstreckenflügen der Fall ist. Ob diese Konzepte aufgehen oder nicht, ist derzeit noch nicht absehbar“, erläutert Christian Mailly. Beim Vergleich der Geschäftsmodelle sei es zudem wichtig zu verstehen, dass der Kundenfokus bei Netzwerkcarriern ein völlig anderer als bei Billig-Airlines sei und auch die Gewinne anders generiert würden, ergänzt der Geschäftsführer von DS Aviation, dem Asset Maagement-Ableger des Emissionshauses Dr. Peters für den Bereich Flugzeug-Investments.

So rechnen sich sich Low-Cost-Carrier nur, wenn die Flugzeuge ausreichend ausgelastet sind. „Dieser so genannte Load-Factor liegt bei erfolgreichen Playern in diesem Segment bei mehr als 85 Prozent“, so Mailly. Die Netzwerkcarrier hingegen können aufgrund der Exklusivität, die Kunden mit ihnen verbinden, in Kombination mit hochwertigen Services auch hohe Ticketpreise durchsetzen.

Ein weiterer aktueller Trend besteht darin, dass immer mehr Netzwerkcarrier Low-Cost-Airlines gründen. Ein Beispiel liefert die Lufthansa, die immer mehr Flugverbindungen auf die Tochtergesellschaft Germanwings verlagert. Maillys Fazit: „Generell lässt sich sagen, dass es kein richtiges oder falsches Geschäftsmodell im Luftfahrtsektor gibt. Profitabel fliegen lässt sich in allen Segmenten.“

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