Folgen der Türkei-Krise Schwellenländer unter Druck

In Istanbul bilden Menschen Schlangen vor einem Louis-Vuitton-Geschäft, um von der Lira-Schwäche zu profitieren. | © Getty Images

In Istanbul bilden Menschen Schlangen vor einem Louis-Vuitton-Geschäft, um von der Lira-Schwäche zu profitieren. Foto: Getty Images

Zuletzt hat die Regierung in Ankara trotz ihrer wirtschaftlichen Probleme die Zölle für mehrere US-Produkte angehoben und Boykott-Maßnahmen gegen US-Konzerne abgekündigt. Den Lira-Verfall zumindest konnte die Notenbank des Landes vorerst bremsen. Experten diskutieren dennoch die Gefahr eines Dominoeffekts auf andere Schwellenländer. Investoren ziehen bereits in großem Stil Kapital ab und machen Indien zu einem der größten Verlierer.

Handelsstreit eskaliert

Die Türkei hat als Reaktion auf höhere US-Zölle die Abgaben für unterschiedliche US-Produkte angehoben. Dazu gehören Autos, alkoholische Getränke, Tabakwaren und Kosmetik. Vize-Präsident Fuat Okay bezeichnete die Maßnahmen als Reaktion auf Angriffe der amerikanischen Regierung gegen die türkische Wirtschaft.

Mit dem Konflikt zwischen den USA und der Türkei schreitet der wirtschaftliche Niedergang des osteuropäischen Landes voran. Seit Jahresbeginn verlor die türkische Lira bereits mehr als 40 Prozent gegenüber US-Dollar und Euro. Die Europäische Zentralbank sorgt  sich schon um die Geldhäuser des Kontinents, die sich in der Türkei engagiert haben. Zugleich geraten im Zuge des Lira-Verfalls auch die Währungen anderer wichtiger Schwellenländer unter Druck. Dabei hatte die türkische Notenbank den Verfall der Währung mit Interventionen vorerst gebremst, wodurch sich auch weitere Emerging-Markets-Währung leicht erholten. Die indische Rupie notiert gegenüber dem US-Dollar dennoch auf dem niedrigsten Stand ihrer Geschichte.

Hausgemachte Krise

Dass die türkische Regierung ausländische Kräfte für die wirtschaftlichen Probleme verantwortlich macht, können Experten wie Kim Catechis, bei der Legg-Mason-Tochter Martin Currie weltweit für Schwellenländer zuständig, nicht nachvollziehen: „Die Türkei sitzt aktuell in einer Grube, die sie sich mit fieberhaftem Eifer in den letzten paar Jahren selber gegraben hat. Die Koordination dieser Ausgrabung hat die oberste Führung des Landes mit ihrer fehlgeleiteten, kurzfristigen Strategie übernommen, bei der es nur darum ging, die Wahl zu gewinnen.“