Teure Fonds-Fusionen Das war's dann mit dem Steuervorteil

Der damalige Finanzminister Peer Steinbrück führte die Abgeltungssteuer ein und versprach Alt-Anlegern steuerfreie Kursgewinne: Bei einer länderübergreifenden Fonds-Fusion können denen nun 20.000 Euro oder mehr durch die Lappen gehen | © Getty Images

Der damalige Finanzminister Peer Steinbrück führte die Abgeltungssteuer ein und versprach Alt-Anlegern steuerfreie Kursgewinne: Bei einer länderübergreifenden Fonds-Fusion können denen nun 20.000 Euro oder mehr durch die Lappen gehen Foto: Getty Images

Was hat es zu bedeuten, wenn eine Fondsgesellschaft sich müht, das „Kundenerlebnis“ ihrer Anleger zu verbessern? Im Falle von DAS-INVESTMENT-Leser Werner Koch nichts Gutes. Denn mit dieser Begründung bekam Koch im Frühjahr die Mitteilung, dass der von ihm gehaltene, in Irland aufgelegte Aktienfonds Invesco PRC Equity Anfang September mit einem gleichnamigen Fonds Luxemburger Bauart verschmolzen werden soll. Worin dabei konkret die Verbesserung besteht? Die geplante Fusion vereinfache das grenzüberschreitende Angebot und „macht dadurch die Zusammenarbeit der Kunden mit Invesco effizienter.“

Der vermeintliche Vorteil kommt Koch teuer zu stehen. Denn er hat die fraglichen Fondsanteile bereits vor dem 1. Januar 2009 gekauft. Warum dieses Detail so wichtig ist, bringt ein kleiner Exkurs in Erinnerung: Als die damalige Bundesregierung Ende 2008 die Abgeltungssteuer auf Kapitalerträge einführte, strich sie gleichzeitig die Regelung, dass mit Fonds oder anderen Wertpapieren erzielte Kursgewinne bei einer Haltedauer von mindestens zwölf Monaten steuerfrei bleiben. Als Trostpflaster sollten Anleger sämtliche Kursgewinne behalten dürfen, die aus vor dem oben genannten Datum bereits im Depot befindlichen Titeln stammen.

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So zumindest war es versprochen, doch Versprechen gelten heute in der Politik bekanntlich nicht mehr viel. Die Anfang 2018 in Kraft getretene Investmentsteuerreform begrenzt den maximalen steuerfreien Ertrag pro Person nun auf 100.000 Euro. Aber zurück zum Problem von Werner Koch und anderen in Deutschland ansässigen Alt-Anlegern des Invesco PRC Equity: Da die Fusion länderübergreifend erfolgt, behandelt das Finanzamt sie steuertechnisch wie einen Verkauf. In der Folge ist bei allen ab September 2018 erzielten Zugewinnen der Staat mit im Boot. Der Frust bei Koch sitzt deshalb tief: „Erst ändert das Finanzamt die Regeln, dann vernichtet die Fondsgesellschaft den noch verbleibenden Freibetrag.“

Da es Kochs Worten zufolge um eine „größere Position“ geht, ist der Ärger nachvollziehbar. Denn welche Dimensionen das Problem recht schnell annehmen kann, zeigt folgende Beispielrechnung. Angenommen, ein in Deutschland steuerpflichtiger Anleger hat Ende 2008 für 10.000 Euro Anteile am Invesco PRC Equity gekauft. Daraus wurden bis Mitte Juni 2018 rund 32.000 Euro, was einer durchschnittlichen jährlichen Rendite von 13,1 Prozent entspricht. Der erzielte Gewinn von 22.000 Euro bleibt im Rahmen der Fusion unangetastet. Werden die Fondsanteile weitere 20 Jahre lang gehalten und erzielen in dieser Zeit einen vergleichsweise moderaten Wertzuwachs von 6 Prozent pro Jahr, stehen am Ende 102.600 Euro auf dem Depot. Ohne die leidige Fusion fiele der neuerliche Zuwachs um 70.600 Euro steuerlich nicht ins Gewicht, da der persönliche Freibetrag von 100.000 Euro noch nicht überschritten ist. Anders die Rechnung mit Fusion. Bleibt es bei einem Steuersatz von 25 Prozent plus Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer, schrumpft der zwischen 2018 und 2038 erwirtschaftete Nach-Steuer-Gewinn von 70.600 auf 50.800 Euro.