Fondsanalyse 3 dynamische Multi-Asset-Strategiefonds im Crashtest

Zentrale der People’s Bank of China in Peking: Auf Short-Engagements in der chinesischen Währung setzen unter anderem die Fonds von Eaton Vance und Bellevue Asset Management | © Getty Images

Zentrale der People’s Bank of China in Peking: Auf Short-Engagements in der chinesischen Währung setzen unter anderem die Fonds von Eaton Vance und Bellevue Asset Management Foto: Getty Images

Aktien? Zu risikoreich. Anleihen? Zu maue Renditen. Mischfonds? Laufen gut, wenn es mit den Märkten aufwärts geht. Angesichts der teils heftigen Marktturbulenzen der vergangenen Jahre wünschen sich viele Anleger daher Kontinuität im Depot – auch wenn die Märkte fallen. Multi-Asset-Fonds versprechen genau dies: in jeder Marktlage einen Ertrag zu erwirtschaften. Zur Wahl stehen Fonds mit verschiedener Risikoeinstellung, unter den dynamisch gemanagten Fonds dieser Kategorie stehen nach den Crashtest-Kriterien (siehe Infokasten unten) derzeit 42 von FWW Fundservices ausgewertete Fonds zur Wahl.

Asbjørn Trolle Hansen – vielen Anlegern als Manager des milliardenschweren Klassikers Nordea Stable Return bekannt – zeichnet auch für den Nordea-1 Multi-Asset verantwortlich. Jährlich 5 Prozent Rendite will er mit dem Fonds erzielen, den Korridor für die Volatilität gibt er mit 7 bis 10 Prozent an. Anders als beim derzeit für Neu-anleger geschlossenen Flaggschiff-Fonds der Investmentgesellschaft Nordea steht nicht der Kapitalschutz, sondern eine niedrige Volatilität im Vordergrund. Um diese Vorgaben auch zu erreichen, fokussiert sich der Fondsmanager auf das Prinzip der Risikobalancierung sowie auf direktionale Strategien. Rund 20 bis 30 schwach korrelierte Strategien kombiniert Hansen daher miteinander, indem er über Aktien, festverzinsliche Wertpapiere und Währungen auf das Erzielen von Risikoprämien aus verschiedenen Bereichen setzt.

Die Vielzahl der Strategien bündelt das Team in sechs sogenannte Superstrategien. Mindestens zwei – üblicherweise sind es fünf – setzt das Team um Hansen jeweils um. Dazu gehören unter anderem Aktien- und Anleihestrategien, Währungsstrategien sowie Volatilitäts- und Handelsstrategien. Die Gewichtung der Strategien hängt letztendlich vom jeweiligen Risikobudget ab.

Eaton Vance setzt auf Global Macro

Beim Performance-Sieger Eaton Vance International (Ireland) Global Macro steht – der Name weist bereits darauf hin – die Global-Macro-Strategie im Vordergrund. Die drei Manager Michael Cirami, Eric Stein und John R. Baur setzen gemäß diesem Ansatz weltweit über Derivate auf Währungen und Zinsen. Im Fokus der Anlageentscheidungen steht die makroökonomische Marktentwicklung, die es zeitig zu erkennen gilt, um daraus lukrative Anlageideen abzuleiten. Um das traditionell US-Dollar-lastige Portfolio wetterfest für alle Marktlagen zu machen, kombiniert das Trio Long- und Short-Investments. Aktuell setzt es sich zu drei Vierteln aus Staatsanleihen sowie zu 20 Prozent aus Geldmarktinstrumenten zusammen, die rund 80 Positionen verteilen sich auf 62 Länder, darunter die Türkei, Zypern und Mazedonien. Um eine Benchmark schert sich das Team der Gesellschaft Eaton Vance nicht.

Beim Stresstest-Sieger BB Global Macro steht ebenfalls die gleichnamige Absolute Return-Strategie im Vordergrund. Fondsmanager Lucio Soso von der Schweizer Investmentboutique Bellevue Asset Management nutzt weltweit alle liquiden Anlageklassen. Konkret: Aktien, Anleihen, Währungen und Rohstoffe. Dabei legt er Wert auf Liquidität und setzt schwerpunktmäßig auf gut handelbare US-Staatsanleihen und Aktienindizes.

Am Anfang des Anlageprozesses stehen Szenario-Analysen, für die im zweiten Schritt die Eintrittswahrscheinlichkeit geschätzt wird. Das Team sieht derzeit das zentrale Szenario mit einer Wahrscheinlichkeit von 60 Prozent in steigenden Aktienmärkten und einem langsamen Anstieg der US-Zinsen. „Der Wahlsieg von Donald Trump markiert einen markanten Schwenk des wirtschaftspolitischen Kurses der USA – weg von der Politik des billigen Geldes und hin zu fiskalischen Maßnahmen. Dies wird in den kommenden Jahren einschneidenden Einfluss auf die Finanzmärkte haben“, so der Fondsmanager. Mit einer Eintrittswahrscheinlichkeit von je 20 Prozent erwartet sein Team steigende Zinsen in Europa beziehungsweise eine globale Wirtschaftsflaute.

Anhand dieser Szenarien entwickelt Soso entsprechende Anlageideen. Derzeit ist das unter anderem die chinesische Währung: „In beiden letztgenannten Szenarien ist eine Abwertung zu erwarten, daher haben wir hier eine Short-Position aufgebaut, um das Portfolio abzusichern“, so der Fondsmanager. Mit seiner Strategie strebt Soso jährlich eine Rendite von 5 bis 7 Prozent an, bei einer Volatilität von maximal rund 7 Prozent. Dank einer hohen Gewichtung in Staatsanleihen während der Korrekturphase im Jahr 2015 blieb die Volatilität mit 5,2 Prozent deutlich unter dieser Grenze.

Milliardendeals mit Global Macro

Die Global-Macro-Strategie basiert darauf, mit gezielten Wetten von gesamtwirtschaftlichen Entwicklungen zu profitieren. Ein Paradebeispiel für erfolgreiche, gekonnte Währungswetten lieferte George Soros 1992 mit seinem Quantum-Hedgefonds: Er wettete zusammen mit anderen Investoren mit rund 10 Milliarden Britischen Pfund gegen den Kurs eben dieser Währung, da er deren Überbewertung erkannt hatte. Die massive Abwertung der Währung spülte über eine Milliarde US-Dollar in die Kassen. Eine weitere Milliarde strich Soros‘ Fonds kurze Zeit später mit Wetten auf die Schwedische Krone ein. 1994 hingegen verlor er rund 700 Millionen Dollar wegen einer Wette gegen den Japanischen Yen, die nicht aufging.