Fondsmanager Armin Zinser im Interview „Zylinderkopfdichtungen sind für mich sexy, für Franzosen nicht“

Armin Zinser: Fondsmanager des Prévoir Gestion Actions (Foto: Prévoir/Studio Falour)

Armin Zinser: Fondsmanager des Prévoir Gestion Actions (Foto: Prévoir/Studio Falour)

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DAS INVESTMENT.com: Herr Zinser, warum sind Sie von der OECD zu Prévoir gewechselt?

Armin Zinser:
Bei der OECD habe ich einen amerikanisch angehauchten Pensionsfonds gemanagt. Er bestand zu 60 Prozent aus Aktien und zu 40 Prozent aus Anleihen. Dort habe ich mir meine Sporen verdient.

Bei Prévoir jedoch, da kann ich machen, was mir mehr liegt. Und das sind 100 Prozent Aktien. Hier habe ich die Carte Blanche, also einen Freibrief. Hier kann ich meiner Leidenschaft folgen.

Was treibt Sie an?

Ich bin Investor durch und durch. Und das 24 Stunden am Tag. Ich bin unglaublich neugierig, ich will wissen, was an den Märkten passiert.

Selbst wenn ich einkaufen gehe, schaue ich darauf, ob die Leute Nestlé oder Unilever kaufen. Genauso ist es mit Autos, Reifen oder Bekleidung. Ich will wissen, was gerade läuft. Das macht Spaß.

Ich mache das seit 16 Jahren so. Bis auf 2013 hat das immer funktioniert.

Was ist 2013 passiert?

Damals kam das heiße Geld aus Amerika nach Europa, was zuvor in den Schwellenländern investiert war. Die Investoren haben alles gekauft, was billig erschien. Deshalb haben die Value-Werte 2013 besser funktioniert als die strukturellen Wachstumswerte.

Aber ich bin nicht von meiner Linie abgewichen. Es ist sehr wichtig, dass man Rückgrat zeigt und seine Strategie durchzieht, auch wenn sie mal eine Zeit lang nicht funktioniert. Es gibt einfach keinen Fondsmanager, der zu jeder Zeit immer richtig liegt.

Was macht Ihre Strategie denn aus?

Ich habe zwar keinen Absolute-Return-Fonds, aber diesen Denkansatz in meinem Hinterkopf. Meine Performance mache ich im Normalfall an Tagen, an denen die Börse schwächer ist. Gehen die Märkte runter, gehe ich weniger runter. Gehen sie hoch, kann ich in der Regel mithalten.

Nehme ich einen Wert in mein Portfolio auf, dann habe ich die Vorstellung, dass er mir über einen Zeitraum von 18 bis 24 Monaten gegenüber dem Markt einen Mehrertrag von 15 Prozent bringen kann.

Deshalb schaue ich immer mindestens 18 Monate voraus. So bin ich beispielsweise heute schon dabei, zu überlegen, was passieren könnte, sollten die Briten aus der EU aussteigen.

Und, steigen Sie aus?

Ich denke, dass sie bleiben. Sie würden viel zu viel verlieren. Außerdem brauchen wir sie, um die Kungelei in Brüssel ein wenig durcheinander zu würfeln. Ein bisschen mehr liberale Politik kann uns nicht schaden.

Wie meinen Sie das?

Ich bin von der Österreichischen Schule inspiriert. Ich bin Realist und setze auf meinen gesunden Menschenverstand. Und der sagt mir, wenn man zu viele Schulden hat, kann man die nicht mit noch mehr Schulden beheben.

Das ist wie bei einem Alkoholiker. Den können Sie auch nicht mit einer Flasche Whiskey therapieren.

Griechenland ist leider nur das Vorspiel. Und Reformen in Frankreich sind schwierig. Dabei liegt die inoffizielle Verschuldung des Landes jetzt schon bei über 300 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.

Sie managen einen Europafonds. Was heißt das in Zeiten von möglichen Grexits, Brexits und Co.?

Manager von Europafonds haben eigentlich ein Problem. Denn Europa funktioniert nicht mehr. Wachstum gibt es, wenn überhaupt, dann nur auf sehr niedrigem Niveau. Daher gilt es in Firmen zu investieren die in Wachstumsmärkten unterwegs sind.

Wie reagieren Sie darauf?

50 Prozent der europäischen Wirtschaftskraft kommt aus Deutschland. Entsprechend habe ich meinen Fonds daraufhin ausgerichtet. Das heißt, das Portfolio besteht bis zu 50 Prozent aus deutschen Aktien. Es gibt aber auch andere Märkte mit guten Wachstumswerten. Beispielsweise die Skandinavier und auch die Norditaliener.

Was Deutschland betrifft, habe ich den Vorteil, dass ich seit 30 Jahren in Frankreich lebe und arbeite. Hier sitze ich auf einer Bergspitze und nicht mehr im Nabel selbst. Von außen habe ich inzwischen einen anderen Blick darauf, was in Deutschland gut läuft und was nicht.