Fondsmanager-Interview „Die Volatilität sollte sich 2017 trefflich einsetzen lassen“

David Millar leitet das Multi-Asset-Team der US-Fondsgesellschaft Invesco.

David Millar leitet das Multi-Asset-Team der US-Fondsgesellschaft Invesco.

DAS INVESTMENT: Drei Jahre ist der Global Targeted Returns Fonds auf dem Markt. Der Fonds ist ein Blockbuster im Vertrieb, und Sie bezeichnen ihn als Pool der besten Investmentideen. Wie fällt Ihr Resümee über die ja doch recht anspruchsvollen vergangenen Jahre aus?

David Millar: Wir sind mit der Gesamt-leistung über die drei Jahre sehr zufrieden. Unser Ziel ist es, über einen Drei-Jahres-Zeitraum ein Ergebnis von Libor plus 5 Prozent jährlich zu liefern. Dieses haben wir nur knapp verfehlt.

Sind Sie zu ängstlich?

Ich komme ursprünglich von der Rentenseite. Wagnisse einzugehen ist nie mein Tagesgeschäft gewesen, und eine gewisse Paranoia zu haben, gehört zum Job, wenn man solch ein Portfolio verantwortet. Angst ist das falsche Wort. Ich möchte Risiken kalkulieren können. Kann ich das nicht, gehe ich sie nicht ein.

Wie viele Ideen gehen auf, wie viele nicht?

Wir brauchen zwei Drittel unserer Ideen, die aufgehen, damit wir unser Ziel erreichen, dann darf ein Drittel auch weniger gut klappen. Mit dieser Verteilung sind wir sehr zufrieden, wenn sie, wie es der Fall war, funktioniert. Denken Sie an 2016: Ein Event jagte das nächste, China, Brexit, US-Wahlen. Diese größtenteils makroökonomischen und politischen Strömungen müssen Sie erst mal einordnen können und die richtigen Schlüsse für den Kapitalmarkt daraus ziehen.

Stehen besonders ereignisreichen Jahren wie etwa 2016 immer ausreichend viele Portfolio-Ideen gegenüber?

Wir haben in der Tat die Bandbreite der Ideen erweitert. Vieles war unvorhersehbar, und da sind wir auf der sicheren Seite, wenn deutlich mehr Ideen einen jeweils kleineren Beitrag zum Ertrag liefern. Wir haben ein internes Rating, wie stark wir von den Ideen überzeugt sind. Das geht von einem bis zu drei Sternen. Wir haben derzeit keine Drei-Sterne-Idee.

Lagen Drei-Sterne-Ideen denn mal auf der Straße?

Das ist noch gar nicht lange her. Spätestens 2008 stand fest, dass wir uns in einer Abwärtsspirale der Zinsen befinden werden. Lower for longer, so war das Gesetz, und entsprechende Opportunitäten konnte man auf der Rentenseite nutzen. Das waren Drei-Sterne-Ideen, auch wenn man damals belächelt wurde. Unternehmensanleihen waren die vergangenen 12 bis 18 Monate auch eine sichere Sache. Auch Währungen eigneten sich trefflich. Kanadischer Dollar short gegenüber dem US-Dollar etwa. Sie können auch weiterhin an einen starken Dollar glauben, aber die Ausgangslage ist eine andere.

Quelle: Bloomberg

Liegen nicht auch im Chaos Chancen, etwa durch gravierende politische Veränderungen?

Je höher die Volatilität an den Märkten ist, desto wahrscheinlicher ist es, Ideen zu finden. Es ist jedoch schwierig zu beurteilen, wie nachhaltig manche Veränderungen des Marktverhaltens sind. Wir hatten eine Sektor-Rotation an den Aktienmärkten nach den US-Wahlen und einen Ausverkauf der Anleihen. Doch auf Basis dieser Ereignisse die Entwicklung der kommenden Jahre herauszulesen ist nicht besonders fundiert. Wir liefern uns derzeit untereinander noch Debatten. Sicher ist jedoch, dass wir nicht von jetzt auf gleich in einer Welt leben, die sich einfach in Schwarz und Weiß aufteilen lässt. Wir sind nach wie vor in einer Grauzone.

Überwiegen auf Ihrer Seite Frage- oder Ausrufezeichen?

Schöne Frage. Die kommt mal in die Präsentation. Wir werden weiter Szenarien testen und uns auf unerwartete Entwicklungen einstellen. Liegen wir richtig, kommen die Erträge. Liegen wir falsch, wollen wir unser Volatilitätsziel nicht verletzen und wenig Kapital verlieren. In diesem Spannungsfeld bewegen wir uns.

Höheres Risiko, niedrigere Erträge. Würden Sie dieses Gleichnis auch in einer Präsentation verwenden?

Ja. Wir werden oft gefragt, wie sicher das Ziel 5 Prozent über Libor über einen kurzfristigen Zeitraum ist. Das kann immer schwierig sein. Aber über einen rollierenden Drei-Jahres-Zeitraum sind wir sehr zuversichtlich. Dazu brauchen wir mehr Werkzeuge in unserer Kiste, und wir müssen erkennen, dass traditionelle Asset-Klassen in den kommenden Jahren stärker schwanken und weniger Erträge liefern könnten.

Haben Sie schon Top-Ideen für 2017?

Es wird Möglichkeiten an den Aktienmärkten geben, und die Volatilität sollte sich auch trefflich einsetzen lassen. Asiatische gegenüber europäischer Vola etwa. Der australische Anleihemarkt ist stärker ausverkauft als der US-Markt. Da sollte auch etwas zu holen sein. Indische Rupie gegen Chinesischen Renminbi. Das dürfte sich auch lohnen. Es geht uns darum, immer genug gute Ideen zu haben, nicht Favoriten.

David Millar leitet das Multi-Asset-Team der US-Fondsgesellschaft Invesco. Vom britischen Henley-on-Thames aus überblickt er die Investmententscheidungen für den Invesco Global Targeted Returns. Millar stieß im Januar 2013 zur Auflegung des Fonds zu Invesco. Zuvor war er bei Standard Life Investments. Dort leitete er das Renten-Team und war Mitglied im GARS-Team (Global Absolute Return Strategy). Millar studierte Mathematik in Kapstadt.