Fondsmanagerin des Carmignac Patrimoine Rose Ouahba: „Diese 3 Anlageklassen interessieren uns momentan am meisten“

Rose Ouahba: Die Fondsmanagerin steht seit 2007 gemeinsam mit Edouard Carmignac an der Spitze des Carmignac Patrimoine. Sie ist für die Anleihenseite des Mischfonds verantwortlich

Rose Ouahba: Die Fondsmanagerin steht seit 2007 gemeinsam mit Edouard Carmignac an der Spitze des Carmignac Patrimoine. Sie ist für die Anleihenseite des Mischfonds verantwortlich

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DAS INVESTMENT: Der Carmignac Patrimoine ist bei Anlegern ein beliebter Klassiker. Wo liegt sein Erfolgsgeheimnis?

Rose Ouahba: Eigentlich ein ganz einfaches Prinzip: Wir managen den Fonds so wie wir unser eigenes Geld verwalten würden. Zu einem gewissen Anteil sind wir auch selbst investiert. Unser Investment-Universum ist der globale Aktien- und Anleihenmarkt. Wenn wir irgendwo riskante Bereiche entdecken, ziehen wir uns daraus zurück. Wir schauen weniger auf die Benchmark und konzentrieren uns aufs Risikomanagement. Fonds, die sich mehr an institutionelle Anleger richten, können sich nicht wirklich von ihrer Benchmark wegbewegen. Wenn die Märkte fallen, gehen sie mit hinunter. Das versuchen wir anders zu machen.

Wir schauen auch sehr aufmerksam auf Risiken. Sollte zum Beispiel die Abwertung des Dollars für unsere Anleger ein Risiko darstellen, könnten wir das US-Dollar-Exposure des Portfolios komplett absiuchern. Die Anleger können also ganz beruhigt weiterhin in ein internationales Portfolio investieren.

Viele Investoren schauen vor allem auf technische Größen und nicht auf die Marktentwicklung. Das machen Sie anders.

Ouahba: Unsere Investmententscheidungen basieren immer zunächst auf unserem makroökonomischen Ausblick. Unser Team untersucht, an welcher Stelle im Wirtschaftszyklus wir uns befinden. Danach sehen wir uns technische Elemente an, zum Beispiel, wie der Markt momentan positioniert ist. Und wir schauen auf die Bewertungen.

In der Vergangenheit haben Sie Ihre Anleger schon sehr erfolgreich von Verlusten während großer Krisen geschützt. Das hat viele Anleger von Ihrem Fonds überzeugt. Bitte plaudern Sie doch mal aus dem Nähkästchen: Wie haben Sie das während der Finanzkrise gemacht?

Ouahba: Ich bin 2007 gerade zu Beginn der Finanzkrise zu Carmignac gekommen. Das Portfolio enthielt damals ein nicht geringes Kreditrisiko. Einige Anleihen boten dabei nur einen sehr mäßigen Risikoaufschlag. Ich habe erst einmal Bestandteile mit schlechtem Risiko-Rendite-Profil aus dem Portfolio entfernt. Zwar konnte man mit vielen noch Gewinne erwirtschaften. Aber die weiteren Aussichten wurden mit dem Absinken der Risikoprämie immer schlechter.

Als die Krise heraufzog, haben wir das Risiko im Portfolio abgesichert. Zum Beispiel haben wir lang laufende US-Staatsanleihen gekauft: Wir haben damit gerechnet, dass die Zentralbank als Antwort auf die Krise die Zinsen senken würden. US-Treasuries und auch deutsche Bundesanleihen erschienen uns als sinnvolle Investments.

Außerdem haben wir das Portfolio gegenüber dem Aktienmarkt abgesichert und zum Beispiel Future-Kontrakte auf S&P oder Stoxx gekauft. Auf der Aktienseite gab es noch einige sehr spezielle Absicherungsinstrumente gegenüber US-Banken und dem Einzelhandel: Wir gingen davon aus, dass die Krise die überschuldeten Verbraucher und auch die Banken in den USA treffen würde.

Wie sind Sie später während der Eurokrise vorgegangen?

Ouahba: Damals hatten wir Staatsanleihen verschiedener europäischer Länder im Portfolio. Wir haben uns von ihnen zum größten Teil getrennt und stattdessen Bundesanleihen gekauft, die uns als sehr solide und liquide Anlagen erschienen. Die Turbulenzen in Europa haben uns gar nicht getroffen. Wir haben von März 2010 bis Dezember 2012 abgewartet und dann Schritt für Schritt wieder in die europäischen Märkte investiert. Zuerst haben wir auf Anleihenseite gedeckte Schuldverschreibungen gekauft, dann vorrangige Bankanleihen und danach spanische und italienische Staatsanleihen. Wir sind sehr vorsichtig vorgegangen.