Fondsporträt Oddo Pro Actif Europe Aktien, Aktien, Aktien – oder Cash

Emmanuel Chapuis (rechts) und Pascal Riégis, Manager des Oddo Pro Actif Europe

Emmanuel Chapuis (rechts) und Pascal Riégis, Manager des Oddo Pro Actif Europe

Meriten – das etwas altmodische Wort steht für Verdienste, die man sich erworben hat. Kein schlechter Name für eine Investmentgesellschaft, mögen sich die Gründer von Meriten Investment Management gedacht haben, die 2016 von der französischen Vermögensverwaltung Oddo Asset Management übernommen wurde. Seitdem firmiert die neue Gesellschaft mit Standorten in Paris und Düsseldorf unter dem Namen Oddo Meriten Asset Management.

Flaggschifffonds des nunmehr deutsch-französischen Investmenthauses ist der 2004 aufgelegte und knapp eine Milliarde Euro schwere Oddo Pro Actif Europe. Er wird sowohl in den Fondskategorien der Ratingagentur Morningstar als auch vom Fondsdatenanbieter FWW als flexibler Mischfonds mit Fokus Europa gelistet, weist aber eine Besonderheit auf: Die Fondsmanager Emmanuel Chapuis und Pascal Riégis lassen die Anleihemärkte komplett außen vor. Sie haben aber die Möglichkeit, die Aktienquote zwischen null und 100 Prozent zu variieren und je nach Marktsituation auf Geldmarktprodukte auszuweichen.

„Wir sehen den Fonds daher als sicherheitsorientierten und aktiv gemanagten Aktienfonds, der eine hohe Kassaquote halten kann – und weniger als Mischfonds klassischer Bauart“, erläutert Chapuis. Das befreit die Fondsmanager vom Investitionszwang und sie kaufen Aktien nur dann, wenn sie auch wirklich attraktive Chancen sehen.

Die Möglichkeit, die Aktienquote zu steuern, nutzt das Duo aktiv aus. „2007 war die Aktienquote mit 87 Prozent am höchsten, im August 2011 hingegen war der Fonds mit 77 Prozent in Cash investiert. Die gängige Bandbreite der Aktienquote liegt bei 40 bis 70 Prozent, aktuell beträgt sie 51 Prozent“, erläutert Chapuis. Mit diesem Ansatz verfolgen er und sein Kollege Riégis das Ziel, die Benchmark – je zur Hälfte bestehend aus Eonia und Euro Stoxx 50 – bei einem Mindestanlagehorizont von drei Jahren zu schlagen. Auf annualisierter Basis ist ihnen das seit Auflegung auch gelungen: So legte der Fonds im Schnitt um 5,5 Prozent jährlich zu, die Benchmark hingegen um durchschnittlich 2,4 Prozent.

In die engere Auswahl nimmt das Duo nur Aktien europäischer Unternehmen, die in punkto Kurspotenzial, Ertragskraft und Bilanzqualität überzeugen und ein nachhaltiges Geschäftsmodell verfolgen. Dabei setzen die Fondsmanager auf ein sehr fokussiertes Portfolio, das aktuell aus lediglich 16 Titeln besteht. „Den Schwerpunkt bilden große Unternehmen mit weltweiten Geschäftsaktivitäten, die ein vom Konjunkturumfeld relativ unabhängiges Wertschöpfungspotenzial aufweisen“, so Riégis.

Dass französische Aktien derzeit mit 44 Prozent prominent vertreten sind, ist durchaus typisch für den Fonds, aber nicht Programm. „Das ergibt sich aus unserer Einzeltitelanalyse und den individuellen Einschätzungen“, kommentiert Riégis. Im September 2016 etwa hätten deutsche Aktien in der Gewichtung vorn gelegen.

Zu den Favoriten aus ihrer Heimat zählen die Fondsmanager aktuell Unternehmen wie Michelin, Peugeot, Danone und Alstom. Auf Sektor-Ebene bevorzugen Chapuis und Riégis Titel aus den Bereichen Verbrauchsgüter, die rund ein Drittel des Aktienportfolios ausmachen. Je rund ein Viertel des Aktienanteils steckt in Technologie- und Gesundheitstiteln.

„Die hohe Gewichtung dieser Branchen ergibt sich aus unserer Vorliebe für Unternehmen, die vergleichsweise konjunkturunabhängig sind“, kommentiert Chapuis die aktuelle Gewichtung. Auch auf bestimmte Nischen des Industriesektors treffe dies zu. Diese Branche gewichtet das Duo derzeit mit 14 Prozent. „Die Segmente Finanzdienstleistungen, Rohstoffe sowie Öl und Gas qualifizieren sich aufgrund unserer Ausrichtung generell nur sehr eingeschränkt für den Fonds“, ergänzt Chapuis.

Zur taktischen Steuerung der Aktienquote setzen die beiden Fondsmanager Terminkontrakte ein. „Dabei greifen wir zur Absicherungszwecken vor allem auf den Euro Stoxx Future zurück – üblicherweise dann, wenn wir mit unruhigen Aktienmärkten rechnen“, so Chapuis. Als Beispiel nennt er den Juni vergangenen Jahres, als das Brexit-Referendum bevorstand. Diese Herangehensweise zahlt sich seinen Worten zufolge vor allem in schwierigen Marktphasen aus.

Dass der Oddo Pro Actif Europe im jüngsten Ein-Jahres-Vergleich per Anfang Mai nur im hinteren Mittelfeld der FWW-Vergleichsgruppe Mischfonds flexibel Europa liegt, führt Chapuis auf die zu defensive Ausrichtung zurück: „Wegen unserer vorsichtigen Gangart in den Monaten rund um die US-Präsidentschaftswahl hat der Fonds nur eingeschränkt von der Rally seit dem Wahlsieg von Donald Trump profitiert.“

Besser lief es unter anderem 2015 mit einem Wertzuwachs von 9,0 Prozent, während der Euro Stoxx 50 um 6,4 und die Benchmark um 3,8 Prozent zulegten. Über drei Jahre belegt der Oddo Pro Actif Europe im Gruppenvergleich mit einem Plus von 17,2 Prozent Rang 4 unter 11 Fonds.