„Forever low“ Bert Flossbach: Zinswende fällt aus

Bert Flossbach, Mitgründer und Fondsmanager der Kölner Gesellschaft Flossbach von Storch. Das vermeintliche Zinstal dürfte sich als Ebene erweisen, prognostiziert Flossbach in einem aktuellen Kapitalmarktbericht.. Im aktuellen Kapitalmarktbericht des Hauses zeichnet Flossbach ein  | © Jürgen Bindrim

Bert Flossbach, Mitgründer und Fondsmanager der Kölner Gesellschaft Flossbach von Storch. Das vermeintliche Zinstal dürfte sich als Ebene erweisen, prognostiziert Flossbach in einem aktuellen Kapitalmarktbericht.. Im aktuellen Kapitalmarktbericht des Hauses zeichnet Flossbach ein Foto: Jürgen Bindrim

Eine Zinswende, die diesen Namen auch verdient, wird es in der Eurozone nicht geben. Im aktuellen Kapitalmarktbericht aus dem Kölner Fondshaus nimmt die Überschrift „Forever low“ dieses Fazit von Firmengründer und Fondsmanager Bert Flossbach bereits vorweg.

Sanft steigende Renditen, wie sie etwa die zehnjährigen Bundesanleihe seit anderthalb Jahren erlebt, lässt Flossbach als Zinswende nicht gelten. Vielmehr geht es ihm um ein Zielniveau, bei dem Anleiherenditen so ungefähr die Höhe des nominalen Wirtschaftswachstums hätten. Für  Bundesanleihen sei das bei einem Nominalwachstum von aktuell 3,5 Prozent bei einem Renditeniveau von mehr als drei Prozent erreicht, setzt Flossbach als Maßstab.

Zinswende politisch untragbar

Für die Euro-Peripheriestaaten wäre ein solches Zinsniveau allerdings verheerend. Zum Beispiel für Italien: „Da die Anleihen des hochverschuldeten Landes aber naturgemäß mit einem Risikoaufschlag zu Bundesanleihen rentieren, würden die Renditen italienischer Staatsanleihen dann eher bei fünf Prozent liegen und das Land in den Staatsbankrott treiben“, schätzt Flossbach. Darüber hinaus gerieten Immobilieninvestoren und auch viele Unternehmen unter Druck.

„Wir sollen uns deshalb darauf einstellen, dass es zumindest in der Eurozone keine Zinswende geben wird, weil die Konsequenzen eines kollabierenden Finanzsystems politisch nicht tragbar sind.“ Allerdings könnte Flossbach zufolge die Zinswende nicht nur in der Eurzone ausfallen. Denn viele Schuldner hätten sich mittlerweile bequem im Niedrigzinsumfeld eingerichtet. Das gelte auch für Länder außerhalb der Eurozone, wie Großbritannien, aber auch für Skandinavien und für Japan. 

Die Zukunft skizziert Bert Flossbach recht düster: Das Goldilocks-Szenario, in dem bei niedrigen Zinsen die Konjunktur brummt, könne nicht mehr lange anhalten. Und auch wenn die USA mittlerweile mehrere Zinsanhebungen vorgenommen haben: Ein deutlicher Zinsanstieg ließe die Zinsausgaben explodieren und würde das Haushaltsdefizit des überschuldeten Landes aus dem Ruder laufen lassen.

EZB ohne Gestaltungsspielraum

Allerdings hätten im Fall einer Rezession zumindest die USA noch Handlungsspielraum und könnten die schlimmsten Folgen durch erneute Zinssenkungen bekämpfen. Nicht so die Eurozone: Denn bis der nächste Abschwung einsetzt, könne es hier maximal zwei Zinsschrittchen nach oben geben, schätzt Flossbach. Für eine kommende Rezession bedeutet das: Die Europäische Zentralbank hätte in einer kommenden Krise so gut wie keinen Gestaltungsspielraum mehr, um das Schlimmste für die Finanzmärkte zu verhindern.

Eine düstere Vorhersage: Besonders die Eurozone würde ein zukünftiger Abschwung eiskalt treffen.