Frankfurt School of Finance & Management Garantien in der Altersvorsorge: Kein Nutzen, nur Kosten

Euroscheine. Garantieauszahlungen sind sehr teuer und bringen nichts, hat ein Forscherteam der Frankfurt School of Finance & Management in Berechnungen ermittelt

Euroscheine. Garantieauszahlungen sind sehr teuer und bringen nichts, hat ein Forscherteam der Frankfurt School of Finance & Management in Berechnungen ermittelt

Für die Zusage fester Garantien zahlen Kunden bei der Altersvorsorge kräftig obendrauf – und verhageln sich gleichzeitig Renditechancen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Frankfurt School of Finance & Management im Auftrag des britischen Lebensversicherers Standard Life.

Die Forscher um Professor für Asset Management Olaf Stotz wollten wissen: Was kostet den Investor einer einmaligen Geldanlage, beispielsweise von 100.000 Euro, die Garantie, dass er am Ende mindestens seinen eingezahlten Sparbetrag wieder herausbekommt? Für die Untersuchung erzeugten Stotz und sein Team über den Zeitraum September 2000 bis August 2016 für jeden einzelnen Monat 100.000 simulierte Garantiekosten.

Garantierte Erträge werden in der Regel durch Staatsanleihen der großen Industrieländer abgebildet – sie gelten als sicher, bringen allerdings nur geringe, im Niedrigzinsumfeld teils sogar negative Erträge. Seit Beginn des neuen Jahrtausends fallen die Anleihekurse – und treiben damit die Kosten für die mühevoll zu erwirtschaftenden Garantien in die Höhe: „Die Kosten für eine Garantie steigen, wenn die Zinsen sinken“, resümiert Olaf Stotz.

Bis zu 170.000 Euro zahlt ein Anleger für die garantierte Auszahlung von 100.000 Euro über eine Laufzeit von 15 Jahren – das ist immerhin das 1,7-Fache des eingezahlten Betrages, fanden die Forscher heraus. Und die Kosten steigen noch, wenn sich die Laufzeit verlängert: Über 25 Jahre zahlen Anleger sogar das Vierfache, über 35 Jahre das Achtfache der eingezahlten Summe, berechneten Stotz und sein Team.

Aktieninvestments als Alternative

Dem errechneten die Forscher auch, wieviel Ertrag Anleger gewonnen hätten, hätten sie den garantierten Einzahlungsbetrag als Aktieninvestment angelegt – und wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass sie hier die Garantie in Anspruch nehmen müssten.

Je länger ein Aktieninvestment dauert, so das Ergebnis,  desto unwahrscheinlicher wird es, dass Anleger ihren „Garantiejoker“ überhaupt ziehen müssten. Bei einer Aktienanlage über 25 Jahre wäre der Garantiefall nur in 0,1 Prozent der Fälle eingetreten. Und selbst dann wäre es kaum ein Totalverlust gewesen: In den Berechnungen über 15 Jahre betrug der durchschnittliche Verlust, wenn es denn einen gab, gerade einmal 8.000 Euro, errechnete das Forscherteam.

Stotz‘ Fazit: „Unsere Studie hat erwiesen, dass die Kosten für eine Kapitalgarantie bei einer langfristigen Einmalanlage nicht nur hoch sind, sondern auch, dass das tatsächliche Eintreffen eines Garantiefalls unwahrscheinlich und die Garantieleistung gering ist. Stotz fordert: „Die Garantiekosten sollten dem Kunden transparent dargestellt werden, die Entscheidung für oder gegen eine Garantie sollte individuell erfolgen und nicht für alle Anleger pauschal.“