Frankfurt und Dublin als Gewinner Wo Goldman Sachs, J.P. Morgan & Co. nach dem Brexit hin wollen

Skyline von Frankfurt am Main | © Getty Images

Skyline von Frankfurt am Main Foto: Getty Images

Standard Chartered und Barclays stehen davor, die irische Hauptstadt als ihre EU-Basis zu nutzen und sich so ununterbrochenen Zugang zu dem Binnenmarkt zu sichern, wie Bloomberg aus informierten Kreisen erfuhr. Goldman Sachs, Citigroup und Lloyds haben hingegen Frankfurt im Visier, erklärten andere Personen, die mit den Plänen vertraut sind.

Hier ist eine Übersicht dazu, wie sich Banken in der Standort-Frage positioniert haben beziehungsweise was bereits aus Kreisen durchgesickert ist.

Goldman Sachs

Die Wall-Street-Firma erwägt, Frankfurt zu ihrem Haupt-Drehkreuz innerhalb der EU zu machen, wie eine informierte Person erklärte. Demnach könne die Bank bis zu 1000 Mitarbeiter verlagern, darunter Händler und führende Manager. CEO Lloyd Blankfein sagte öffentlich, sein Unternehmen habe Pläne auf Eis gelegt, weitere wichtige Geschäftsbereiche in Großbritannien anzusiedeln.

JPMorgan

Bereits vor dem Referendum hatte JPMorgan-Chase-&-Co.-Chef Jamie Dimon erklärt, dass bis zu 4000 der insgesamt 16.000 britischen Mitarbeiter nach dem Brexit auf den Kontinent verlagert werden könnten.

UBS

CEO Sergio Ermotti sagte, dass möglicherweise bis zu 1500 der rund 5000 Investmentbanking-Mitarbeiter, die derzeit in Großbritannien angesiedelt sind, umziehen werden. Einige der Kollegen könnten künftig von Madrid aus arbeiten, wie Bloomberg vergangene Woche berichtete.

HSBC

HSBC Holdings könnte Handelsgeschäfte, die rund 20 Prozent vom Investmentbanken-Ertrag in London generieren, nach Paris verlagern, erklärte CEO Stuart Gulliver im Interview mit Bloomberg TV in Davos beim Weltwirtschaftsforum. Speziell Aktivitäten, die der EU-Rechtsprechung unterliegen, seien betroffen.

Barclays

Barclays will in Dublin zusätzlich 150 Mitarbeiter ansiedeln, wenn britische Finanzinstitutionen den einfachen Zugang zur EU verlieren, sagten Personen mit Kenntnis der Entscheidung in der vergangenen Woche. Die Bank habe im Januar mit Suche nach Büroflächen in Dublin begonnen und spricht mit irischen Aufsichtsbehörden über eine Ausweitung der Aktivitäten.

Standard Chartered

Standard Chartered erwägt, Dublin nach dem Brexit zum Rechtssitz innerhalb der EU zu machen. Das erfuhr Bloomberg im Dezember von Personen, die mit dem Vorgang vertraut sind. Eine finale Entscheidung sei noch nicht gefallen. Die Bank spreche auch mit der deutschen Aufsicht darüber, Frankfurt alternativ auszuwählen.

Citigroup

Citigroup prüft Standorte für die Verlagerung von Geschäftsteilen aus London - darunter Irland, Spanien, Italien, Deutschland, Frankreich und die Niederlande, sagte Jim Cowles, Chef für die Region Europa/Naher Osten/Afrika, am 24. Januar auf einer Konferenz in Dublin. Die Planung drehe sich vornehmlich um das Broker-Dealer-Geschäft. Das Unternehmen habe noch keine abschließenden Entscheidungen zu Standorten getroffen, rechne damit bis zur Jahresmitte.

Morgan Stanley

Laut eines Berichts von Bloomberg vor dem Referendum dürfte das Unternehmen wahrscheinlich 1000 der rund 6000 Mitarbeiter in Großbritannien beim Brexit aus dem Land abziehen. Morgan-Stanley-President Colm Kelleher erklärte, dass die Bank ihre regionale Zentrale wohl nach Dublin oder Frankfurt verlagern würde. Manager des Konzerns machten auch deutlich, dass sie New York als großen Gewinner sehen, da viele US-Firmen einige Mitarbeiter gleich ganz aus Europa abziehen dürften.

Daiwa

Daiwa Securities Group prüft Frankfurt und Dublin neben anderen Städten als Standort für europäische Geschäfte, die nach dem Brexit aus London wegverlegt werden, sagte CEO Takashi Hibino am Montag. Der Broker aus Tokio wird nach seinen Worten eine Gesellschaft in der EU aufbauen müssen, mit entsprechender Lizenz, um Zugang zum Binnenmarkt zu behalten - und spiele dazu Szenarien mit Beratern durch. Das Unternehmen beschäftigt etwa 450 Mitarbeiter in Europa, überwiegend in London.

Lloyds Banking Group

Lloyds Banking Group, größte Hypothekenbank Großbritanniens, steht davor, Frankfurt als Standort für ihre EU-Sparte nach dem Brexit zu wählen. Das erfuhr Bloomberg im Januar von einer Person, die mit dem Vorgang vertraut ist. Die Bank wolle die deutsche Filiale in eine Tochter umwandeln und plane darüber hinaus, eine Ausdehnung der entsprechenden Bank-Lizenz zu beantragen. Eine geringe Anzahl von Arbeitsplätzen könne in das Land verlagert werden.

Bank of America

Bank-of-America-President Brian Moynihan sagte in Davos im Januar, es sei noch ein wenig zu früh, über Standorte nachzudenken.

Credit Suisse

Credit Suisse prüft angesichts des nahenden Austritts von Großbritannien aus der EU Möglichkeiten einer Expansion in Dublin, wie zwei mit der Situation vertraute Personen vor wenigen Tagen sagten. Verwaltungsratsmitglied Noreen Doyle erklärte, die Bank sei in früher Phase, Alternativen zu London unter die Lupe zu nehmen.