Franklin-Templeton-Fondsmanager „Zeiten des Schubladendenkens bei Rentenfonds vorüber“

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In welchen Anleihesegmenten sehen Sie aktuell eindeutige Anzeichen einer Blase? Oder anders: Von welchen Segmenten sollten sich Investoren aufgrund eines signifikanten Rückschlagspotenzials auf absehbare Zeit fernhalten?

David Yuen: Wir sind nicht der Ansicht, dass es derzeit in irgendwelchen Bereichen des Rentenmarktes eine Blasenbildung gibt - insbesondere bei Berücksichtigung der Faktoren, die traditionell zur Bildung einer Blase beitragen: übermäßige Käufe und überhöhte Risikobereitschaft.

Was uns jedoch zurückhaltend stimmt, sind die erheblichen Mengen an staatlichen Schuldtiteln von Industrieländern, die eine negative Rendite bieten. Dies ist zwar ein beunruhigendes Szenario, das wir sehr genau im Auge behalten, die Faktoren, die die aktuellen Marktkurse bestimmen, haben jedoch überhaupt nichts mit Spekulation zu tun.

Die aktuelle Lage hängt vielmehr mit der Umsetzung der geldpolitischen Maßnahmen der verschiedenen Zentralbanken zusammen, die allesamt versuchen, ihre gesteckten Ziele zu erreichen. Somit würden wir die Lage nicht als Blase im herkömmlichen Sinn ansehen, sondern vielmehr als ein spezifisches Thema, mit dem wir uns heute an den globalen Rentenmärkten auseinandersetzen müssen.

Als Auslöser für einen möglichen Kursrutsch am Rentenmarkt gilt die Angst vieler Bond-Anleger vor einer baldigen Zinserhöhung durch die US-Notenbank Federal Reserve. Wann rechnen Sie mit einer Fortsetzung der Zinswende in den USA? Und welche Effekte erwarten Sie dadurch auf die Treasuries der Vereinigten Staaten sowie den weltweiten Anleihemarkt?

Unserer Ansicht nach ist der Markt für die früher oder später anstehende Zinserhöhung bereit, nachdem die US-Notenbank nun erhebliche Vorlaufzeit gewährt hat. Darüber hinaus haben sich die Finanzbedingungen - gemessen an vielen anderen Kennzahlen - bereits verschärft. Dies lässt sich beispielsweise am Anstieg des 3-Monats-Libor-Zinssatzes erkennen, sowie an der Erhöhung kurzfristiger Anleiherenditen im Geldmarktsegment.

Unsere Prognosen waren von einer langsamen und steten Straffung der Politik seitens der US-Notenbank ausgegangen, und bislang scheint dies auch genau der Kurs zu sein, den diese eingeschlagen hat. Darüber hinaus deuten aktuellere Daten inzwischen auf eine neutralere Positionierung hin: die Produktivität geht zurück, die Beschäftigungslage gibt nach und die eigenen Kennzahlen der US-Notenbank tendieren abwärts.

Wir sind zudem der Ansicht, dass das Tempo geringer ausfallen dürfte, da eine schnellere Anhebung der Zinsen in den USA unwahrscheinlich ist, solang sich nicht gleichzeitig ein verstärktes globales Wachstum einstellt. Ein Risiko für diese Einschätzung wäre eine positive Überraschung in Bezug auf sowohl Wachstum als auch Inflation, die einen deutlichen Anstieg der langfristigen Zinsen nach sich ziehen könnte. Wir halten eine Wiederholung des 2013 verzeichneten „Drosselungskollers“ angesichts des aktuellen Umfelds jedoch für unwahrscheinlich. An der Spread-Front notieren die optionsbereinigten Spreads an den Märkten enger, jedoch nicht auf dem im Zuge vergangener Zyklen verzeichneten Niveau.