„Frexit“-Risiko Offene Immobilienfonds kürzen Frankreich-Anteile

Am 23. April wählt Frankreich einen neuen Präsidenten – oder eine neue Präsidentin. Aktuellen Umfragen zufolge hat Le Pen gute Chancen in die zweite Runde einzuziehen. Auch wenn Demoskopen für die Stichwahl eine Niederlage der Rechtspopulistin erwarten, ist die Nervosität überall spürbar. Denn sollte Le Pen gewinnen, könnte Frankreich die EU verlassen („Frexit“) und die französische Wirtschaft abschotten.

Geografische Verteilung der französischen Objekte in den Portfolios der offenen Immobilienfonds:

Anteile nach Verkehrswert Quelle: Scope Analysis, Stand: 31.03.2017; Grafik: Scope Analysis

Frankreich und vor allem Paris ist als Investitionsstandort für offene Immobilienfonds seit jeher sehr beliebt. Die französische Hauptstadt ist einer der größten Immobilienmärkte weltweit und bietet – anders als beispielsweise London mit dem starken Fokus auf die Finanzindustrie – einen hochgradig diversifizierten Branchenmix. Welche Konsequenzen hätte ein Wahlsieg von Le Pen für den Immobilienstandort Paris?

Fest steht: Unsicherheit bedeutet Risiko. Scope erwartet im Falle eines Wahlsiegs von Le Pen für den Immobilieninvestmentmarkt weniger Transaktionen und somit sinkende Liquidität. Für den Vermietungsmarkt wären geringere Flächennachfrage, sinkende Mieten und höhere Leerstände wahrscheinliche Begleiterscheinungen einer Präsidentschaft von Le Pen.

Frankreich-Anteile zurückgefahren

Scope hat die zehn offenen Immobilienfonds für Privatanleger untersucht, die einen europäischen oder globalen Fokus aufweisen. Das aggregierte Immobilienvermögen dieser Fonds beläuft sich auf rund 63 Milliarden Euro.

Davon sind aktuell rund 8,4 Milliarden Euro in französische Objekte investiert. Die Immobilien-Portfolios der Fonds haben somit einen durchschnittlichen Frankreich-Anteil von 13,3 Prozent (gewichtet nach Verkehrswerten). Das Spektrum reicht von 0 Prozent beim UniImmo: Global bis zu 20,8 Prozent beim Deka-ImmobilienEuropa. 

Verringerung um rund 800 Millionen Euro

Auffällig ist, dass der Portfolioanteil der französischen Objekte im vergangenen Jahr signifikant gesunken ist, denn zu Beginn des Jahres 2016 lag er im Durchschnitt noch bei 15,8 Prozent. Dies bedeutet eine Reduktion um 2,5 Prozentpunkte innerhalb eines Jahres.

In absoluten Zahlen: Während die zehn Fonds zu Beginn 2016 französische Objekte im Wert von rund 9,2 Milliarden Euro im Portfolio hatten, waren es ein Jahr später nur noch 8,4 Milliarden Euro – ein Verringerung um rund 800 Millionen Euro.