Fuchsbriefe-Geschäftsführer: „Berater haben Angst vor der eigenen Meinung

Ralf Vielhaber, Geschäftsführer der Fuchsbriefe

Ralf Vielhaber, Geschäftsführer der Fuchsbriefe

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DAS INVESTMENT.com: Ihre Tester prüfen jährlich mit einem Praxisfall Anlageberater aus Family Offices und Private Banking. Worum ging es diesmal?

Ralf Vielhaber: Der Testkunde der Private-Banking-Prüfinstanz, die der Verlag Fuchsbriefe zusammen mit Dr. Richter IQF bildet, hatte 2,5 Millionen Euro bei einer Direktbank zu 1,7 Prozent angelegt. Nun wollte er mehr daraus machen. 90 Prozent sollten in ein defensives Portfolio. Gewinne wollte er verbrauchen, Verluste sollten 10 Prozent im Jahr nicht übersteigen.

DAS INVESTMENT.com: Und die anderen 10 Prozent?

Vielhaber: Für die wollte er was aus der Schatztruhe der Banken. Etwas Besonderes. Die Renditechance sollte zweistellig sein. Aber dafür würde er eben auch eine komplette Bauchlandung akzeptieren.

DAS INVESTMENT.com: Das gab bestimmt ein paar schöne exotische Vorschläge.

Vielhaber: Ganz selten. Wir hörten häufig den Satz: ‚Im Augenblick haben wir nichts da.‘ Und von den Empfehlungen waren nur wenige wirklich spannend. Etwas interessanter waren da noch eine Beteiligung an Kindertagesstätten und eine Schiffsbeteiligung aus dem Jahr 2004. Das beratende Unternehmen hatte die schon eine Weile beobachtet und konnte sie für ein Drittel des ursprünglichen Werts einkaufen.

DAS INVESTMENT.com: Und worum drehten sich die meisten Empfehlungen für das Risiko-Depot?

Vielhaber: Um Aktien. Viele Anbieter setzten ein Portfolio auf, das komplett aus Aktien bestand. Etwas heißere Aktien allerdings.

DAS INVESTMENT.com: Worum ging es in den defensiven 90 Prozent?

Vielhaber: In erster Linie um die Kunst, Chance und Rendite in Einklang zu bringen und auszugleichen. Für das Siegerdepot hat unser Partner Quanvest eine Rendite von 5,5 Prozent und einen Maximalverlust von 7,2 Prozent errechnet.

DAS INVESTMENT.com: Nach welcher Methode?

Vielhaber: Der Monte-Carlo-Simulation. Der Verlust wird mit einer Wahrscheinlichkeit von 98 Prozent nicht überstiegen.

DAS INVESTMENT.com: Welche Schnittmenge ergibt sich bei den Defensiven?

Vielhaber: Die Anleihequote liegt bei den besten Depots zwischen 60 und 65 Prozent. Den Schwerpunkt bilden Unternehmensanleihen, weniger die Staatsanleihen. Dazu kommen noch Wandelanleihen, hochverzinsliche Emerging-Market-Anleihen und Katastrophenanleihen. Eine bunte Mischung. Wobei in den Empfehlungen auffällig viele Fonds auftauchen.

DAS INVESTMENT.com: Was können Sie über die Gespräche allgemein sagen?

Vielhaber: Dass viele Berater Probleme hatten, mit der doch recht ambivalenten Risikoneigung des Testkunden fertig zu werden. Damit hatten wir so gar nicht gerechnet.