Fünf Fragen an Brooks Ritchey „Alternative Anlagen sind eine gute Verwendung für ungenutzte Bar-Reserven“

Brooks Ritchey, Senior Managing Director bei K2 Advisors

Brooks Ritchey, Senior Managing Director bei K2 Advisors

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Was sind alternative Anlagestrategien und wogegen genau sichern sie ab?

Brooks Ritchey: Einfach ausgedrückt, wird bei diesen Strategien darauf gesetzt, dass sich manche Wertpapiere gut entwickeln, andere dagegen schwach oder sogar negativ. Sie sind also eine zweiseitige Form der Geldanlage. Statt nur Aktien und Anleihen zu halten und zu hoffen, dass beide Anlageklassen steigen, versucht man bei alternativen Anlagestrategien auf andere Weise Renditen zu erzielen.

Sind Fonds mit alternativen Anlagestrategien nicht zu riskant für „normale“ Anleger? Ist das nicht eher ein Produkt für institutionelle Investoren?

Ritchey: Fonds mit alternativen Anlagestrategien sind für den Durchschnitts-Anleger keineswegs zu riskant. Dies scheint eine Art Mythos zu sein, der keine reale Grundlage hat. Die Volatilität ist allgemein geringer als bei Aktienportfolios und sogar manchen Anleiheportfolios. Die Annahme, sie seien zu riskant, ist also unzutreffend. Schließlich sollen Sie gegen Risiken absichern.

Warum sollten Investoren alternative Anlagestrategien in ihre Portfolios aufnehmen?

Ritchey: Eine Absicherung ist allgemein eine gute Sache. Viele Aspekte im Leben sind abgesichert. Zum Beispiel haben wir als Absicherung für mögliche Unfälle eine Autoversicherung. Ein Fonds mit alternativen Anlagestrategien ist, vereinfacht gesagt, eine Anlagemethode, bei der die Portfoliomanager Aktien oder Anleihen kaufen, die sie für eine gute Anlage halten; gleichzeitig tätigen sie aber für den Fall, dass sie sich in Bezug auf die allgemeine Marktentwicklung irren, Leerverkäufe von in ihren Augen unattraktiven Titeln.

Wie hoch muss die Allokation in alternative Anlagestrategien sein, damit sie sich merklich auf Risiko und Rendite auswirkt?

Ritchey: Das hängt vom Risikoprofil und der Risikoneigung der Anleger ab. Außerdem ist das Alter des Anlegers entscheidend sowie die weiteren Anlageklassen, die sich bereits im Portfolio befinden. Viele Anlageberater empfehlen eine Mindestallokation von 2 Prozent in alternative Anlagestrategien. Meiner Meinung nach ist das ziemlich wenig.

Große Stiftungen und institutionelle Anleger investieren zum Teil 20–25 Prozent ihres Vermögens in alternative Strategien. Was richtig ist, hängt also sehr von den Umständen ab. Ich persönlich bin der Meinung, dass jeder Anleger mit seinem Berater darüber sprechen sollte, ob es angemessen wäre, etwa 10 Prozent ihrer Geldanlagen in alternative Anlagestrategien zu investieren.

Welche Position sollte verringert werden, um Platz für alternative Anlagestrategien zu schaffen? Aktien oder Anleihen?

Ritchey: Das hängt stark davon ab, welche Entwicklung man für Aktien und Anleihen erwartet. Viele unserer Anleger setzen alternative Anlagestrategien als Ersatz für Cash-Bestände ein, weil die Renditen dafür nahe Null liegen. Fonds mit alternativen Anlagestrategien dagegen haben sich zuletzt recht gut entwickelt, was sie zu einer interessanten Verwendung für ungenutzte Bar-Reserven macht.

Wer den Aktienmarkt für gefährdet hält, sollte die Aktien-Allokation reduzieren und die freigewordenen Mittel in alternative Strategien investieren. Wer sich Sorgen wegen steigender Zinsen macht, sollte vielleicht eher einen Teil der Anleihen-Allokation umschichten. Konkret hängt diese Entscheidung sehr vom einzelnen Anleger und seinem Berater ab.