Für Institute unter Mifid II Bankenverband befürchtet Kosten von mehr als einer Milliarde Euro

Michael Kemmer ist Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands deutscher Banken. Er sieht die Notwendigkeit der Finanzmarktrichtlinie, kritisiert aber Umfang und Aufwand von Mifid II. | © Boris Streubel, action press

Michael Kemmer ist Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands deutscher Banken. Er sieht die Notwendigkeit der Finanzmarktrichtlinie, kritisiert aber Umfang und Aufwand von Mifid II. Foto: Boris Streubel, action press

Der Bankenverband deutscher Banken (BdB) hat die weitreichenden Folgen der neuen europäischen Wertpapierrichtlinie Mifid II für Banken und Kunden kritisiert. Insbesondere die Kosten für die ab 2018 geltende Regulierungsnovelle seien aus dem Ruder gelaufen. „Wir erwarten bis zu eine Milliarde Euro für die Umstellung, dazu kommen noch laufende Kosten. Dieses Geld könnten die Banken an anderer Stelle gut gebrauchen“, sagt BdB-Hauptgeschäftsführer Michael Kemmer.

Nach Kemmers Ansicht sei die neue Wertpapierrichtlinie MiFID II zwar grundsätzlich richtig, vor allem in Bezug auf die Notwendigkeit „einheitlicher Maßstäbe für Markttransparenz, Anlegerschutz und Risikosteuerung in Europa“. Doch Kemmer kritisiert, dass in der Bankenregulierung der Blick auf das Ganze fehle: „Viele gute Einzelmaßnahmen machen kein schlüssiges Gesamtkonzept aus.“

So zeige allein der Umfang von mehr als 20.000 Seiten Regulierung für Mifid II, dass „hier der Überblick verloren ging und weit über das Ziel hinaus geschossen wurde“. Viele Banken seien gezwungen, zum Jahreswechsel Berge von Papier zu versenden, um ihren Informationspflichten nachzukommen.

Unverständlich sei zudem, dass der Kunde keine Möglichkeit habe, auf eine Telefonaufzeichnung zu verzichten. „Derart weitgehende Aufzeichnungspflichten helfen niemandem und sind sicherlich nicht im Interesse der Kunden“, so Kemmer. Seiner Ansicht nach belasten sie vielmehr das Vertrauensverhältnis zwischen Kunde und Bank.

Angesichts dieser zusätzlichen Belastungen zwinge Mifid II alle Häuser, ihre Geschäftsmodelle grundlegend auf den Prüfstand zu stellen. „Bereits jetzt zeichnet sich ab, dass künftig Banken nicht mehr allen ihren Kunden jede Dienstleistung und jedes Finanzprodukt anbieten werden können“, sagt Kemmer. Zweieinhalb Monate vor Inkrafttreten der Richtlinie fordert er daher eine rasche Überprüfung und Anpassung.