GAM-Manager im Interview „Alternative Beta geht ein Stück weiter“

Portfoliomanager Pierre-Yves Moix, GAM: „Es ist alles etwas komplizierter, als es zunächst klingt.“ | © Gam Holding

Portfoliomanager Pierre-Yves Moix, GAM: „Es ist alles etwas komplizierter, als es zunächst klingt.“ Foto: Gam Holding

DAS INVESTMENT: Smart Beta und Alternative Beta werden gern für denselben Sachverhalt verwendet. Wo liegt für Sie der Unterschied?

Pierre-Yves Moix: Smart Beta ist ein Gewichtungsmodell für Aktien. Man nimmt also nicht die Marktkapitalisierung als Gewicht, sondern ein anderes Kriterium wie Value, Momentum oder Größe oder gewichtet einfach alle Aktien gleich. Alternative Beta geht in die gleiche Richtung, aber ein Stück weiter. Es bezieht sich nicht mehr nur auf Long-Positionen, also auf reine Kaufentscheidungen, sondern auch auf Verkaufsentscheidungen von Positionen, die nach den gewählten Kriterien ungünstig bewertet sind. Man versucht, wirklich die Risikoprämien zu extrahieren, die ein Faktor mit sich bringt. Dazu wird der alternative Beta-Ansatz für alle Hauptanlageklassen verwendet, nicht nur für Aktien.

Wie soll das funktionieren?

Moix: Nehmen wir den Value-Faktor, nach dem Aktien besser abschneiden, wenn sie zum Kaufzeitpunkt niedrig bewertet sind. Man kauft also ein Portfolio von Aktien, die nach Bewertungskennzahlen günstig erscheinen. Und bei den teuer wirkenden Aktien setzt man über ein Short-Portfolio auf sinkende Kurse, genauer gesagt auf Kurse, die schlechter abschneiden als das Long-Portfolio. Dabei beseitigt man weitgehend das allgemeine Marktrisiko und wird marktneutral. Übrig bleiben die Mehr- oder Mindererträge aus dem Value-Faktor. Sie sind die Performance-Differenz aus den Long- und Short-Positionen.

Ungünstig ist nur, dass es mit Value in den vergangenen acht Jahren in die Hose gegangen wäre. Value lief schlecht.

Moix: Das stimmt, in der Zeit sind alle Aktienkurse gestiegen, weitgehend unabhängig von Bewertungs- oder Qualitätskriterien. Das war für Value kein gutes Umfeld. Kurzfristig kann nicht immer jede Strategie gut laufen. Wir wissen aber, dass es langfristig funktioniert.

Warum macht das nicht jeder, wenn es so einfach ist?

Moix: Es klingt von der Idee her simpel, aber naive Implementation von Alternativen Beta-Strategien ist nicht sehr erfolgreich. Man braucht schon Erfahrung in der Umsetzung. Vor allem wenn man alle Anlageklassen abdecken will, wie wir das tun. Zum Beispiel kombinieren wir unsere Value-Strategien mit Momentum-Filtern. So investieren wir nicht nur in günstige Anlagen, sondern in Anlagen mit einem positiven Trend. Es ist alles etwas komplizierter, als es zunächst klingt. Zudem ist sehr auf die Kosteneffizienz zu achten.