Gastbeitrag zu Verhaltensökonomie Was Anleger von Wirtschaftsnobelpreisträger Richard Thaler lernen können

Richard Thaler: Der Professor an der University of Chicago erhält in diesem Jahr den von der Schwedischen Reichsbank gestifteten Alfred-Nobel-Gedächtnispreis für Wirtschaftswissenschaften. | © Getty Images

Richard Thaler: Der Professor an der University of Chicago erhält in diesem Jahr den von der Schwedischen Reichsbank gestifteten Alfred-Nobel-Gedächtnispreis für Wirtschaftswissenschaften. Foto: Getty Images

Thomas Braun: Der Mitgründer von Braun, von Wyss & Müller ist Fondsmanager des Classic Global Equity Fund und des Classic Value Equity Fund.

Am 10. Dezember, dem Todestag von Alfred Nobel, erhält Richard Thaler den Wirtschaftsnobelpreis für seine Verdienste auf dem Gebiet der Verhaltensökonomie. Thaler gilt als Pionier dieser inzwischen etablierten Fachrichtung, die zu Beginn seiner Karriere vor über 40 Jahren noch als exotisch galt.

Psychologie und Hirnforschung

Im Gegensatz zur klassischen Ökonomie, die davon ausgeht, dass die Menschen stets alle bekannten Informationen rational verarbeiten, um so ihren langfristigen Gesamtnutzen zu maximieren, berücksichtigt die moderne Verhaltensökonomie aktuelle Erkenntnisse der Psychologie und Hirnforschung und geht damit von realitätsnäheren Annahmen aus. Danach wird unser Hirn von verschiedenen, miteinander interagierenden und manchmal auch konkurrierenden Systemen gesteuert.

Dieser Mechanismus ist oft am Werk, wenn wir Anlageentscheidungen fällen. Wir wissen, zum Beispiel, dass Aktien langfristig die höchsten Renditen abwerfen, investieren unsere langfristigen Ersparnisse dennoch allzu oft nicht darin. Thaler hat wichtige Erkenntnisse zu Tage gefördert, weshalb dem so ist und auch Lösungsvorschläge gemacht, wie wir besser mit unseren Unzulänglichkeiten umgehen können.

Anwendung: Altersvorsorge

Beispielsweise hat er das Planner-Doer-Modell in die Ökonomie eingeführt. In diesem Modell hat der Mensch zwei Ichs: Den weitsichtigen Planer und den kurzsichtigen Macher. Der Planer strebt nach der langfristig besten Lösung, der Macher sucht die kurzfristige Befriedigung.

Thaler hat dieses Modell bei der freiwilligen Altersvorsorge angewandt und vorgeschlagen, Sparpläne so zu gestalten, dass Arbeitnehmer automatisch in einen Sparplan ihrer Arbeitgeber eintreten – sofern sie nicht explizit widersprechen.

Die Vorschläge wurden unter anderem in den USA und Großbritannien mit Erfolg umgesetzt. Die Idee dabei ist, die Menschen in Richtung ihres Glücks zu schubsen und den weitsichtigen Planer über den kurzfristigen Macher siegen zu lassen: Wer sich einmal für einen Sparplan entscheidet, spart danach quasi automatisch und unterliegt weniger der Versuchung, kurzfristige Spekulationen zu tätigen.