Gefahren für den Aktienmarkt Todesstoß für die Aktienhausse?

Fondsmanager Ernst Konrad von Eyb & Wallwitz: „Protektionismus und Regulierung könnten mehr als nur ein Stimmungstöter sein.“  | © Eyb & Wallwitz Vermögensmanagement

Fondsmanager Ernst Konrad von Eyb & Wallwitz: „Protektionismus und Regulierung könnten mehr als nur ein Stimmungstöter sein.“ Foto: Eyb & Wallwitz Vermögensmanagement

Lange Zeit haben vor allem die Notenbanken für sehr geringe Ausschläge an den Finanzmärkten gesorgt, so dass eine Rückkehr zu „normalen Verhältnisses“ wie vor der Finanzkrise schon als die Vorzeichen eines neuen Bärenmarktes gedeutet werden. Die Rückkehr der Volatilität und die geringe Risikobereitschaft vieler Anleger haben wir in den letzten Monaten immer wieder als wahrscheinlichsten Auslöser für eine Korrektur genannt. Allerdings hatten wir vermutet, dass das Ende der lockeren Geldpolitik der „Stresstest“ für viele Investoren sein wird. 

Aktuell stehen allerdings drei andere Themen im Vordergrund, die für sich betrachtet vermutlich kaum für Unruhe gesorgt hätten, deren Kombination allerdings die aktuelle Korrektur an den Aktienmärkten ausgelöst hat: Die Rückkehr der Inflation, das Wiedererstarken des Protektionismus und die drohende Regulierung von Geschäftsmodellen, diesmal nicht im Finanzbereich, sondern bei „Big-Tech“.

Die Inflation kommt zurück…

Die Anstrengungen der Notenbanken scheinen nach etlichen Jahren endlich Früchte zu tragen. Aber die Finanzmärkte sind undankbar. Jahrelang hatten viele Investoren die Notenbanker für ihre zögerliche Haltung und vermeintliche Erfolglosigkeit bei der Bekämpfung der drohenden deflationären Abwärtsspirale wie während der Weltwirtschaftskrise oder in Japan der 1980er Jahre gescholten. Nachdem konventionelle und unkonventionelle geldpolitische Maßnahmen die Preissteigerungsraten in den USA und der Eurozone in Richtung des angepeilten Niveaus von 2 Prozent gehoben haben, wird den Notenbanken nunmehr vorgehalten, sie seien „behind the curve“ und hätten das Inflationspotential unterschätzt. Um „den Geist wieder in die Flasche“ zu bekommen, sei ein radikales Umsteuern nötig, das der seit 2009 andauernde Aktienmarkthausse den Todesstoß versetzen könnte.

Doch wie so oft an den Finanzmärkten ist auch der Kausalzusammenhang zwischen Inflation, Zinsentwicklung und dem Aktienmarkt ambivalent. Im Gegensatz zu Anleihen ist eine moderate Preissteigerungsrate für Aktien nicht zwangsläufig von Nachteil. Wie in der Medizin, ist es eher eine Frage der Dosis und der Dynamik. Deshalb sollte man gegenüber pauschalen Urteilen, wie beispielsweise „Inflation ist immer schlecht für Aktien“, misstrauisch sein.

Denn die Preissteigerungsrate beeinflusst über verschiedene Kanäle die Aktienmärkte: Zum einen wirkt sie sich auf die Geschäftsentwicklung von Unternehmen und deren Gewinnmarge aus. Zum anderen spielt sie eine Rolle bei der Ermittlung eines „fairen“ Unternehmenswertes, also zum Beispiel des Kurs-Gewinn-Verhältnisses (KGV) oder Kurs-Umsatz-Verhältnisses.

Beginnen wollen wir jedoch mit der Darstellung der Fakten, das heißt der historischen Wertentwicklung des US-Aktienmarktes unter verschiedenen sogenannten „Inflations-Regimen“ in den letzten 60 Jahren.