Geldpolitik „Gold ist wie eine Risikolebensversicherung“

Italiens Innenminister und Vize-Premierminister Matteo Salvini von der rechtspopulistischen Partei Lega Nord: Die schwierige Regierungsbildung in Italien führte dazu, dass viele Anleger erneut umschichteten. | © Getty Images

Italiens Innenminister und Vize-Premierminister Matteo Salvini von der rechtspopulistischen Partei Lega Nord: Die schwierige Regierungsbildung in Italien führte dazu, dass viele Anleger erneut umschichteten. Foto: Getty Images

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Thomas Buckard, MPF AG

Seit Anfang der 90er sehen wie die Zinsen fallen – zuletzt bis in den deutlichen Minusbereich. Der Zinssenkungszyklus bewegt sich nun offenbar auf sein Ende zu. Allerdings sind die Märkte noch gespalten: In Europa erleben wir ein extrem niedriges Zinsniveau, während in den USA bereits deutliche Zinsanhebungen stattgefunden haben. Das verdanken wir dem sehr reifen Wirtschaftszyklus, der uns seit 2009 steigende Bruttosozialprodukte beschert.

Weil die fast schon heiß laufende Konjunktur bei einer Arbeitslosenquote in den USA von unter 4 Prozent Inflationsgefahren heraufbeschwört, müssen die Notenbanken nun darauf reagieren, um ein Überschießen zu vermeiden. Das vorsichtige Herantasten an die Zinswende bescherte uns in den letzten Wochen viel Bewegung, an den Renten- und gleichermaßen an den Aktienmärkten.

Investoren schichten um

Wir hatten Anfang des Jahres bei der 10-jährigen Bundesanleihe bereits einen recht deutlichen Zinsanstieg gesehen, wenn auch auf niedrigstem Niveau. Doch wegen der Diskussionen um Italien und dessen schwierige Regierungsbildung sich das wieder ins Gegenteil verkehrt. Das führt dazu, dass viele Anleger erneut umschichten: Die bisher als recht sicher geglaubten Staatsanleihen in Italien wurden abgestoßen und seither flüchten die Investoren wieder in die Sicherheit Nummer 1: Deutsche Bundesanleihen. Deswegen hat sich dort die Rendite wieder deutlich zurückgebildet.

Durch die Unsicherheit über die politische Entwicklung in Europa (einige italienische Politiker drohen mit dem Austritt Italiens aus der Währungsunion), den eskalierenden Handelsstreit zwischen den USA und Europa sowie China schauen die Anleger wieder genauer hin: Die Zins-Spreads weiten sich aus und Renditeaufschläge auf mindere Bonitäten steigen an. Die Nervosität steigt und damit auch die Volatilität. Die Ankündigung vom Ende des Wertpapierankaufprogramms durch die EZB trägt nicht zuletzt dazu bei.

Szenario nicht erfreulich

Für bereits investierte Anleger ist das beschriebene Szenario nicht erfreulich. Doch sind niedrigste Zinsen vor allem für die Anlegergruppen fatal, die auf die Erträge angewiesen sind. So zum Beispiel Stiftungen, die Zusagen für bestimmte Projekte gegeben haben und denen jetzt die Ertragsseite fehlt. Oder auch Pensionskassen und Versicherungen.

Wahrscheinlich ändert sich das niedrige Zinsumfeld in der nächsten Zeit in Europa noch nicht gravierend. In den USA sind wir mit der Rückkehr zur Normalität aufgrund der begonnenen Zinserhöhungen schon etwas weiter – dies wird sich voraussichtlich noch etwas fortsetzen. Doch mehr als 3 Prozent Zinsen für USA-Anleihen könnten sich dämpfend auf die Aktienmärkte auswirken.