Georg Graf von Wallwitz: „Frankreich geht es schlechter als Italien“

Georg Graf von Wallwitz

Georg Graf von Wallwitz

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Georg von Wallwitz ist Gründer und Partner der Vermögensverwaltung Eyb & Wallwitz und Fondsmanager der Phaidros Funds (WKN: A0MN91).

Denk’ ich an Deutschland in der Nacht,
Dann bin ich um den Schlaf gebracht,
Ich kann nicht mehr die Augen schließen.
Und meine heißen Tränen fließen.

Gottlob! durch meine Fenster bricht
Französisch heiteres Tageslicht;
Es kommt mein Weib, schön wie der Morgen,
Und lächelt fort die deutschen Sorgen.

Heinrich Heine, Nachtgedanken (1843)


Es hat sich eben viel getan seit dem Vormärz. Deutschland steht zwar immer noch gut da, wie schon zu Heines Zeiten („Deutschland hat ewigen Bestand, Es ist ein kerngesundes Land;“), Frankreichs Frauen gewiss auch, aber die Lösung der europäischen Krise ist nicht aus Frankreich zu erwarten. Genau genommen ist Frankreich in einem beklagenswerten Zustand und die Regierung von Präsident Francois Hollande hat sich bislang nicht als Segen erwiesen.

Mieses Zahlenwerk

Frankreich steht nicht besser da als Italien, das aber erheblich höhere Zinsen zahlt. Dabei sprechen die Zahlen (die letztlich ganz ähnlich sind) an einigen entscheidenden Stellen sogar eher für Italien.

Frankreich hat zwar einen niedrigeren Schuldenstand relativ zur Wirtschaftsleistung als Italien (86 Prozent gegenüber 120 Prozent), ist aber wesentlich weniger in der Lage, diesen zu kontrollieren. Das strukturelle Haushaltsdefizit liegt in Italien bei 2,5 Prozent, in Frankreich (wie in Spanien) bei 7 Prozent. Ein solches Defizit ist nur unter erheblichen Schmerzen abzubauen.

Da Frankreich sich derzeit aber am Rande einer Rezession befindet, ist es dazu nicht wirklich in der Lage. Kürzt es den Haushalt dramatisch, bekommt es eine Rezession, die es (und die Eurozone) sich nicht leisten kann. Erhöht es die sowieso recht hohen Steuern zu stark, trifft das die Unternehmen, in denen das Geld verdient werden soll, um die Schulden zu bedienen.

Französische Stärken

Frankreich ist ein wirtschaftlich starkes Land, mit hervorragenden Unternehmen, auch im globalen Maßstab. Total, L‘Oreal, LVMH, Alstom, BNP Paribas, Axa, die Liste der vorzeigbaren Unternehmen ist lang und schön. Diese Substanz ist der Hauptgrund, warum die Märkte davon ausgehen, dass Frankreich sich am Ende aus eigenen Ressourcen finanzieren kann. Die Unternehmen lassen sich vielleicht noch höher besteuern.

Der zweite Grund für die niedrigen Zinsen ist die Schweizer Nationalbank. Sie kauft Euro, um den Franken vor der Aufwertung zur Parität und die heimische Exportindustrie vor dem Schicksal der japanischen (1) zu bewahren.

Diese Euro kann sie nicht wirklich brauchen und kauft daher deutsche und französische Staatsanleihen in enormem Umfang. Damit sind die Zinsen dieser Länder auf ein Niveau gesunken, das nicht realistisch ist und insbesondere in Frankreich den Eindruck erweckt, die Staatsfinanzen seien solide. Das ist eine Illusion.

(1) Die Deutschen klopfen sich seit einigen Jahren auf die Schulter, weil es im Export so rund läuft. Ihnen ist bislang nicht aufgefallen, dass der japanische Yen gegenüber dem Euro um 40 Prozent aufgewertet hat. Damit ist die dortige Industrie nicht mehr international wettbewerbsfähig. Hauptkonkurrent der deutschen Industrie ist aber die japanische. Wenn sich die Kostenbasis der Konkurrenz um ein Drittel (Vorprodukte sind für Japan teurer geworden, weshalb die Aufwertung nicht voll durchschlägt) verteuert, ist es nicht sehr schwer, im Export zu glänzen. Wenn der Yen einmal unter Druck kommt - was nur eine Frage der Zeit ist - werden unsere Helden des Dax schnell von ihrem Glanz verlieren.