Georg Graf von Wallwitz über die Griechenland-Krise Was ein „Ja“ im Referendum für die Finanzmärkte bedeutet

Georg von Wallwitz ist geschäftsführender Gesellschafter von Eyb & Wallwitz

Georg von Wallwitz ist geschäftsführender Gesellschafter von Eyb & Wallwitz

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Eine griechische Regierung, die ihr Team in Brüssel über Twitter über das Ende der Verhandlungen informiert, die Sonntag früh behauptet, Kapitalverkehrskontrollen seien unnötig (um sie dann am Abend zu verhängen), ein Ministerpräsident, der behauptet, die Bankeinlagen seien sicher (weil die Banken geschlossen sind) - das kann nicht mehr lange gut gehen.

Wir haben schon früh darüber spekuliert, dass Tsipras sich nicht lange werde halten können mit seinem widersprüchlichen Wahlversprechen vom reform- und schmerzfreien „weiter wie früher“ innerhalb der Eurozone. Schließlich sind es mehr als 72 Tage geworden,  dazu gratulieren wir, aber die Zeit ist dennoch bald um.

Aber der Reihe nach:

Wie geht ein Grexit?
Für alle, die noch nie dabei waren, listen wir hier die nächsten Schritte auf.

Nachdem die EZB kein zusätzliches Geld mehr nach Griechenland schickt, können die dortigen Banken, deren überschüssige Liquidität längst aufgebraucht ist, nur noch in dem Rahmen Auszahlungen machen, wie sie auf der anderen Seite Einzahlungen bekommen. Da derzeit kaum ein Grieche auf die Idee kommt, bei einer heimischen Bank Einzahlungen zu machen (bei Banken im Ausland ist das eine andere Sache), können diese ihr Geschäft im Wesentlichen einstellen. „Bank Holiday“ nennt man das. Klingt nach Urlaub, bedeutet aber etwas ganz anderes: Da Banken Einlagen nur in dem Maß und in der Geschwindigkeit auszahlen können, wie sie längerfristig ausgegebene Kredite zurückbekommen, müssen sie kurzfristig schließen und können erst dann weiter machen, wenn sie Geld von ihren Schuldnern zurückbekommen.

Da der größte Schuldner aber der griechische Staat ist, ist es unwahrscheinlich, dass die Banken die Einlagen ihrer Kunden bedienen können. Kann der Staat nicht zahlen, können auch die Banken nicht zahlen und beide sind gemeinsam pleite.

Der Staat hat nun zwei Möglichkeiten. Entweder beschließt er, (a) die Forderungen der Gläubiger zusammenzustreichen, soweit sie griechischem Recht unterliegen, (b) die Löhne der Staatsangestellten und die Renten erheblich zu kürzen und (c) den ausländischen Gläubigern mitzuteilen, dass sie noch auf ihr Geld warten müssen. Damit würde die Mittelschicht und die Wirtschaft irreparabel geschröpft, das Vertrauen des Auslandes restlos zerstört - aber man behielte den Euro als Währung.

Oder der Staat beschließt alle Forderungen (soweit sie griechischem Recht unterliegen) auf Drachmen umzustellen, ebenso wie Löhne und Sozialleistungen. Diese wird man nach einem vielleicht zwei- oder dreiwöchigen Bankenurlaub bereitstellen können. Dann hat jeder Geld in der Tasche, aber dieses verliert über Nacht an Wert und die Mittelschicht ist wiederum die Leidtragende. Die zweite Möglichkeit wäre gleichbedeutend mit dem Verlassen der Eurozone, also einem echten Grexit.

Wem tut es weh?

Schmerzhaft wird es für jeden, der in Euro verschuldet ist, aber in Griechenland investiert hat, beziehungsweise für alle, die in Griechenland ein Einkommen beziehen, von dem sie leben müssen. Davon werden sie sich nicht mehr viel kaufen können. Daher würde die EU im Fall eines echten Grexit humanitäre Hilfe leisten, in Euro. Viele Griechen werden am 17. Juli eine schmerzhafte Konfrontation mit der Realität haben - das ist das Datum, an dem der Staat Pensionen und Gehälter überweisen müsste. Viel wird es wohl nicht sein. Eine Katastrophe ist ein Grexit auch für alle Unternehmen, die ihre Konten in Griechenland führen (müssen). Sie werden bald mit sehr viel weniger Angestellten auskommen - wenn sie nicht ganz zu machen.