Georg von Wallwitz: „Wir haben einen Draghi-Put“

Georg von Wallwitz von der Vermögensverwaltung Eyb & Wallwitz

Georg von Wallwitz von der Vermögensverwaltung Eyb & Wallwitz

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Georg von Wallwitz ist Gründer und Partner der Vermögensverwaltung Eyb & Wallwitz und Fondsmanager der Phaidros Funds.

Die Eurokrise ist in vieler Hinsicht weder besonders noch ungewöhnlich, auch wenn sie sich für die Beteiligten ganz außerordentlich anfühlt. So ist das aber bei jeder Krise, egal in welchem Bereich.

Und, ebenfalls wie in jeder Krise leiden am längsten und am schwersten die Theoretiker und Moralisten. Historiker sind entspannter, denn sie denken sich, alles ist schon mal da gewesen.

Aus historischer Perspektive kurz zusammengefasst hat Europa folgendes Problem (für alle, die seit 2009, als im Herbst die griechische Regierung ein Haushaltsloch von 20 Milliarden Euro entdeckte, das heute nicht einmal mehr der 600 Milliarden große Topf des ESM zu stopfen vermag, keine Zeitung gelesen haben):

Europa hat eine Bankenkrise

Die Banken sind unterkapitalisiert aufgrund schlechter kaufmännischer Entscheidungen und weil die Politik Rahmenbedingungen gesetzt hat, die es ihnen nahe legte, sich mit Staatsanleihen vollzusaugen. Auf diese Weise sollte die schuldenfinanzierte Politik in Europa gestützt werden.

Nun sind die Regierungen aber nicht mehr glücklich mit den Banken, denn dort ist nichts mehr zu holen. Ganz im Gegenteil muss die öffentliche Hand die Banken rekapitalisieren. Das kostet Geld, ist aber kein Hexenwerk. Wenn man eine Bankenkrise hat, muss man die Banken mit frischem Kapital ausstatten.

Europa hat eine Schuldenkrise


Auch das ist schon vorgekommen. Bei einer Schuldenkrise setzen sich Gläubiger und Schuldner zusammen und sehen, wie es weiter geht. Dann einigt man sich irgendwann auf einen Schuldenschnitt, bei dem 20, 30 oder 50 Prozent der Verpflichtungen erlassen werden, je nach Tragfähigkeit für den Schuldner.

Je länger Schuldenkrisen dauern, je länger der Gläubiger darauf beharrt, das Geld sei da, obwohl es schon lange weg ist, desto größer werden die wirtschaftlichen Schwierigkeiten des Schuldners und desto geringer werden die Aussichten auf Rückzahlung.

Im Lauf der Verhandlungen wird die Position des Schuldners immer besser, weil er immer weniger zu verlieren hat. Wie auch immer: Wenn man eine Schuldenkrise hat, müssen Schulden abgeschrieben werden.