Earth Resource Investment Group „Die Goldproduktion ist ernsthaft gefährdet“

Arbeiter in der Goldraffinerie Italpreziosi in Arezzo, Italien: Es gibt noch viel Gold im Boden, aber die Förderung ist eine Frage des Preises | © Getty Images

Arbeiter in der Goldraffinerie Italpreziosi in Arezzo, Italien: Es gibt noch viel Gold im Boden, aber die Förderung ist eine Frage des Preises Foto: Getty Images

Georges Lequime, Earth Resource Investment Group

Im dritten Quartal 2017 blieb der Goldabsatz nach Angaben des World Gold Council 9 Prozent unter dem Ergebnis des Vorjahres – ein Acht-Jahres-Tief. Was sind die Gründe?

Georges Lequime: Der Rückgang der weltweiten Goldnachfrage auf 915 Tonnen im dritten Quartal 2017 war hauptsächlich auf die schwächere Nachfrage nach Goldschmuck in Indien und die geringere Nachfrage nach Gold-ETFs zurückzuführen. Im Einzelnen setzt sich die Abnahme zusammen aus der Schmucknachfrage mit minus 478,7 Tonnen, der Investitionsnachfrage mit minus 241,2 Tonnen, Zentralbankkäufen mit minus 111 Tonnen und der Industrienachfrage mit minus 84,2 Tonnen.

Die indische Schmucknachfrage, die alleine 24 Prozent der gesamten Nachfrage nach Gold ausmacht, wurde durch die Einführung einer Mehrwertsteuer auf Gold von 3 Prozent Anfang Juli gedrosselt. Allerdings kauften die Inder vor der Einführung dieser Steuer deutlich mehr Gold, wodurch die Schmucknachfrage letztlich nur um 3 Prozent zurückging. Die Nachfrage nach Goldmünzen in Indien sank ebenfalls um neun Tonnen. In China stieg die Nachfrage hingegen um 23 Tonnen.

Der Hauptgrund für die unter dem Strich niedrigere Nachfrage nach Gold im dritten Quartal war jedoch die geringere Nachfrage nach Gold-gedeckten ETFs, die im Vergleich zum Vorjahresquartal um 125,4 Tonnen fiel. Vor dem Hintergrund des Anstiegs der globalen Aktienmärkte verkauften viele Anleger Gold-ETFs, um an der Aktienmarktrally teilzunehmen.

Was würde kurz- und mittelfristig den Goldpreis bewegen?

Für einen deutlichen Anstieg des Goldpreises müssen vor allem institutionelle Anleger wieder in den Goldmarkt investieren. Wir haben dieses Jahr beispielsweise die erfreulichen Auswirkungen auf Kupfer-, Zink- und andere Rohstoffpreise gesehen, wenn Anleger Investments wieder aufnehmen.

Im Moment gibt es für Anleger jedoch scheinbar noch keinen wirklichen Grund, Aktien- und Renten abzustoßen und dafür in Gold zu investieren. Obwohl das höhere geopolitische Risiko und der „Trump-Faktor“ in die Märkte hinein spielen, fühlen sich viele Investoren sicher. Die jüngste Umfrage von Fondsmanagern durch die Bank of America zeigt, dass die Risikopositionierung in Portfolios momentan auf dem höchsten Stand seit dem Jahr 2000 liegt.

Gold wurde in der Vergangenheit zur Absicherung gegen Risiken eingesetzt. Allerdings scheinen Investoren zurzeit blind gegen die zunehmenden Finanz- und globalen Risiken zu sein und ignorieren Gold als Diversifikationsinstrument, das Schutz bietet.

Darüber hinaus preist der Markt für das Jahr 2018 weitere drei bis vier weitere Zinserhöhungen in den USA ein, bei weiterhin niedriger Inflation. Der erwartete Anstieg der realen Zinssätze ist ein wichtiger Faktor, der den Goldpreis unter 1.300 US-Dollar je Unze hält. Allerdings können Enttäuschungen bei den Zinsschritten zu einem sehr schnellen Anstieg des Goldpreises führen.