Geschlossene Fonds: Panne nach Programm

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Geschlossene Fonds bieten einen Vorteil: Sie sind vergleichsweise transparent, denn der Verkaufsprospekt enthält viele Details. Doch kann der Vorteil sich schnell ins Gegenteil verkehren. Nämlich dann, wenn man sich von der Vielzahl der Angaben abschrecken lässt und vor lauter Daten das Fondskonzept nicht mehr erkennt. Aber keine Panik: Man muss kein Zahlenfetischist sein, um kalkulatorische Schwächen zu entdecken. Ist der Investitionsgrad akzeptabel, kommt deswegen als zweiter Schritt die Prognoserechnung eines geschlossenen Fonds auf den Prüfstand. Zunächst sollte man im Prospekt die Einnahmeüberschüsse (nach Tilgung!) mit den Ausschüttungen vergleichen. Zeigt sich, dass der Überschuss in einzelnen Jahren nicht für die Auszahlungen reicht? Dann subventioniert die Liquiditätsreserve die Ausschüttung. Wichtig ist hier, ob die Rücklage erwirtschaftet wurde oder ob sie aus der Investitionsphase (also aus Anlegergeld) stammt. Macht der Prospekt Angaben, wofür die Liquiditätsreserve verwendet wird? Ist dies auch nachvollziehbar?  Wenn ein Biogas-Fonds die Erstbefüllung über die Rücklage darstellen will, ist das vertretbar. Aber wozu benötigt ein geschlossener Fonds, der Wasseraufbereitungsanlagen finanziert, eine Liquiditätsreserve von fast 15 Prozent (siehe Tabelle links)? Da liegt der Verdacht nahe, dass der Anleger über die Liquiditätsreserve seine Ausschüttungen aus dem Eigenkapital finanzieren soll. Und richtig – weiter hinten im Prospekt dieses Beispielfonds findet sich der Satz: „Die Liquiditätsreserve (...) wird in erster Linie für die Ausschüttungen bis zur Vermietung der Anlage benötigt.“ Dieses Prinzip „linke Tasche, rechte Tasche” ist bei geschlossenen Fonds gar nicht so selten. Zumeist dient es dazu, die Ausschüttungsprognose zu „frisieren” – etwa um bei niedrigem Investitionsgrad dennoch vermeintlich attraktive Konditionen für Anleger bieten zu können.