"Geschlossene Fonds wird es auch weiterhin geben"

Thomas Soltau

Thomas Soltau

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Das im Juli 2013 in Kraft getretene Kapitalanlagegesetzbuch (KAGB) hat die Branche der geschlossenen Fonds monatelang in Atem gehalten. Und auch jetzt bestimmt Unsicherheit die Branche. Während einige Initiatoren die neuen Regeln begrüßen, prophezeiten andere das baldige Ende des Anlagevehikels geschlossener Fonds.

Befürworter des KAGB argumentieren, dass die stärkere Regulierung dringend erforderlich sei. Denn nur so könne die Branche das Schmuddel-Image des „Grauen Kapitalmarkts“ endlich hinter sich lassen.

Die Befürchtungen der Gegenseite: Viele – insbesondere kleine Emissionshäuser – können die Auflagen nicht erfüllen. Denn das KAGB bringt einen enormen zusätzlichen Verwaltungsaufwand mit sich, der für einige Marktteilnehmer schon allein aus Kostengründen eine nicht zu überwindende Hürde darstellt.

Noch wartet die Branche ab

Rund vier Monate nach Inkrafttreten der Neuregelungen ist noch nicht eindeutig abzusehen, welche Auswirkungen das KAGB auf lange Sicht haben wird.

Einige Emissionshäuser – darunter auch seit vielen Jahren aktive und äußerst renommierte Häuser wie KGAL – haben bereits mitgeteilt, dass sie vorerst keine neuen Publikumsfonds auflegen möchten und sich stattdessen stärker auf institutionelle Investoren konzentrieren wollen.

Die Mehrzahl der Anbieter jedoch scheint noch keine so klaren Entscheidungen treffen zu wollen. Derzeit warten viele Markteilnehmer ab: Statt neue Fonds aufzulegen, beschränken sie sich erst einmal auf die Verwaltung ihrer laufenden Fonds.

Doch auch wenn die Emissionshäuser momentan noch zögerlich sind – eines steht meiner Meinung nach fest: geschlossene Fonds wird es auch weiterhin geben. Denn als renditeorientierte Kapitalanlage stehen sie bei privaten Anlegern nach wie vor hoch im Kurs. Das gilt in Zeiten der niedrigen Zinsen noch mehr als sonst.

Hinzu kommt, dass Anleger keineswegs so risikoavers sind, wie viele Marktteilnehmer glauben. Sicherlich: Die Platzierungszahlen gehen Jahr für Jahr zurück. So haben private Anleger 2012 nur 3,14 Milliarden Euro in geschlossene Fonds investiert, während es 2011 noch rund 4,81 Milliarden gewesen sind. Das entspricht einem Rückgang von 34,7 Prozent.

Für dieses Jahr dürfte ein weiterer Rückgang des platzierten Eigenkapitals zu erwarten sein. Dabei darf aber nicht vergessen werden: Viele Probleme, mit denen sich die Branche konfrontiert sieht, sind hausgemacht. Das gilt insbesondere für den Vertrauensverlust der Anleger, mit dem die Branche zu kämpfen hat. Dieser ist nämlich nicht allein auf Anlegerskandale wie von S&K oder jüngst von Wölbern Invest zurückzuführen, die für Negativschlagzeilen sorgten und auf die restliche Branche abfärben.

Viele Anleger sind auch deshalb skeptisch, weil sie bislang nur wenig Mitspracherechte bei wesentlichen Entscheidungen hatten und sich nicht gut über die Lage der Vermögenswerte informiert fühlten. Sie wussten schlicht nicht, was mit ihrem Geld eigentlich passiert.